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#81 Verfolgt: Dreh Dich nicht um!

Shownotes

Ein Mann, der vor einer Türe liegt. Ein Briefumschlag mit Engelsbildern. Und eine junge Frau, die verzweifelt die Notrufnummer wählt. Heute bei Spurlos.

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Hilfe und Beratung für Betroffene

WEISSER RING Opfer-Telefon: 116 006

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016

Aktiv gegen Stalking Telefon: 0221 - 95154216

Stop-Stalking Telefon: 030 - 22 19 22 000

Jaqueline https://www.instagram.com/jaqueline.ceo

Redaktion Sylvia Lutz Natalya Prokhorenko

Ton Migo Fecke (Soundhouse Tonproduktionen GmbH)

Eine Produktion der StellaLuisa GmbH In Zusammenarbeit mit Endemol Shine Germany und Rainer Laux Productions

Transkript anzeigen

00:00:03: Ein Mann, der vor einer

00:00:04: Türe

00:00:04: liegt.

00:00:05: Ein Briefumschlag mit Engelsbildern.

00:00:08: Und eine junge Frau, die verzweifelt,

00:00:10: die Notrufnummer wählt.

00:00:12: Heute

00:00:13: bei Spurlos.

00:00:26: Sylvie, es ist zwanzig sechs und zwanzig.

00:00:30: Ich hab's geschafft.

00:00:31: Und ich hab's gelernt, ja, letztes Jahr, ich hab's mir gemerkt, bist du gut?

00:00:35: Achtung, reingesprungen von irgendeiner Bettkante, Tisch oder Stuhl, bist du gehüpft?

00:00:40: Von einem Stuhl?

00:00:41: Ja.

00:00:42: Und gut gelandet.

00:00:43: Und

00:00:43: bänderes.

00:00:46: Und versehrt.

00:00:48: Und gute Dinge.

00:00:49: Sehr

00:00:50: schön.

00:00:50: Ohne Vorsätze, aber guter Dinge.

00:00:52: Gut, Vorsätze hat man immer ein

00:00:54: paar, aber

00:00:55: nur so eine Gemeinde, nichts Konkrete.

00:00:56: Man hält sie doch nicht mehr

00:00:58: eben.

00:00:58: Ich mach gar keine, da muss ich auch nix einhalten.

00:01:00: Nee, ich

00:01:00: mach sogar keine Vorsätze.

00:01:02: Nee, so richtig Vorsätze, nein.

00:01:05: Es soll einfach so weiterlaufen.

00:01:08: Apropos weiterlaufen.

00:01:10: Gut News, wir laufen weiter, liebe Hörer und Hörerinnen.

00:01:15: Spurlos wird es natürlich auch in den Jahr durchgeben.

00:01:22: Wir arbeiten wunderbar auch mit unserem Partner Seven One Audio zusammen.

00:01:27: Vielen Dank mal auch an der Stelle und wir sind verlängert und das haben wir natürlich euch zu verdanken.

00:01:33: Also Grüße gehen raus und wir freuen uns auf das neue Jahr, oder?

00:01:36: Yes!

00:01:39: So, auch heute wieder ein spezieller Spurlosfall, eine Ausprägung von Spurlos, das haben wir uns ja immer schon auf die Fahne geschrieben, alle Farben dieses Themas zu beleuchten.

00:01:51: Und heute geht es darum, dass jemand, jemanden wie ein ja, spurloses Phantom verfolgt.

00:01:59: Man weiß, es gibt diesen Menschen, man weiß eigentlich auch, wer er ist.

00:02:04: Aber man kriegt ihn erst mal nicht gefasst, weil er einfach keine Spuren hinterlässt und weil er, wie gesagt, wie ein Phantom handelt und das macht es so schrecklich.

00:02:16: Es geht heute um das große Thema Stocking.

00:02:20: Ja, heute erzählt uns Jacqueline ihre Geschichte.

00:02:22: Jacqueline ist eine junge Frau, die sich beruflich verändern will, die viele Träume hat und viele Ideen.

00:02:29: Aber dann kommt alles anders.

00:02:31: In Jacquelines Geschichte geht es um Machtlosigkeit.

00:02:34: Um Grenzen, die nicht respektiert werden und um das Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren.

00:02:40: Es geht um eine junge Frau, die plötzlich im größter Gefahr schwebt.

00:02:47: Eine junge Frau schließt die Tür zu ihrem Haus auf.

00:02:50: Es ist ein großes Mietshaus.

00:02:53: Sie wohnt ganz oben im achten Stock.

00:02:56: Nervös und angespannt wirft sie noch einmal einen Blick über die Straße.

00:03:01: Ist da jemand?

00:03:02: Jemand, der sie beobachtet?

00:03:05: Doch alles ist ganz still, da ist niemand.

00:03:08: Die junge Frau atmet leise auf.

00:03:11: Trotzdem weiß sie, dass sie in Gefahr schwebt, dass sie nicht wirklich sicher ist.

00:03:16: Auch wenn sie ihn nicht sieht, ihr ist klar, dass der Mann, der sie bedroht, jederzeit wieder auftauchen könnte.

00:03:24: Dass er vielleicht irgendwo da draußen in der Dunkelheit steht, dass er sie belauert und dass er dann wieder verschwindet, leise und spurlos.

00:03:34: und dass niemand wissen würde, wo er war oder was er vorhatte, bis es vielleicht zu spät ist.

00:03:41: Die junge Frau heißt Jacqueline.

00:03:43: Und Jacqueline weiß, dass sie wachsam sein muss.

00:03:46: Sie hat gelernt, auf kleinste Geräusche zu achten, jede unerwartete Bewegung zu registrieren, jede noch so kleine Veränderung in ihrer Umgebung.

00:03:57: Manchmal steigt sie überstürzt aus der Straßenbahn aus, nur weil sie glaubt, ihn bemerkt zu haben.

00:04:03: Oft

00:04:04: sagt sie Termine ab, weil sie das Gefühl hat, beobachtet zu werden.

00:04:09: Sie prüft, wer vor ihrem Haus steht, wer sich im Treppenhaus bewegt und sie vermeidet Orte, an denen sie ihn begegnen könnte.

00:04:18: Jacqueline bewegt sich Tag für Tag zwischen größter Vorsicht und dem Versuch, das eigene Leben nicht von Furcht und Panik bestimmen zu lassen.

00:04:28: Doch sie weiß, die Gefahr ist immer da.

00:04:31: Unberechenbar?

00:04:33: und ohne Spuren zu hinterlassen.

00:04:36: Jacqueline öffnet die Haustür und betritt das Treppenhaus.

00:04:40: Sie sieht sofort, dort liegt etwas auf dem Boden, versteckt unter einer Decke.

00:04:46: Und Jacqueline weiß in diesem Moment, er war hier.

00:04:50: Hier in diesem Treppenhaus.

00:04:53: Und hier ist in diesem Moment klar, dass er seinen nächsten Schritt schon vorbereitet hat.

00:04:59: Jacqueline startet auf das Tuch in ihrem Flur und hört Angst, was sie darunter finden wird.

00:05:05: Sie blickt sich noch einmal um.

00:05:08: Doch von dem Mann, der sie bedroht, fehlt jede Spur.

00:05:12: Er ist verschwunden,

00:05:14: als hätte

00:05:14: er sich aufgelöst.

00:05:20: Jacqueline lebt in ständiger Angst.

00:05:22: Sie fühlt sich verfolgt und sie fühlt sich bedroht.

00:05:25: Denn sie wird beobachtet, das weiß sie ganz genau.

00:05:28: Als sie an diesem Tag ihr Treppenhaus betritt, macht sie eine verstörende Entdeckung.

00:05:33: Denn etwas liegt da auf dem Boden, verdeckt von einem Tuch.

00:05:38: Also, ich hab die Sachen genommen, in eine Tüte gemacht, abfotografiert, die Beweislassen später

00:05:46: und

00:05:47: bin zur Polizei.

00:05:49: Ich hab das denn geschildert, weil ich ... Natürlich, ne?

00:05:52: Erst mal traumatisiert.

00:05:53: Da hab ich richtig gemerkt, irgendwas stimmt hier nicht.

00:05:57: Ja, irgendwas stimmt hier nicht, sagt sie, und ja, da stimmt tatsächlich was überhaupt gar nicht.

00:06:03: Jacqueline hätte sich vor einigen Monaten nicht vorstellen können, dass ihr das mal passieren könnte und dass ihr Alltag mal so aussehen würde.

00:06:13: Früher war sie völlig sorglos und überzeugt davon, dass sie niemals in einer solchen Gefahr schweben würde, dass ihr sowas nicht passiert, dass es vielleicht anderen Menschen passiert, aber nicht ihr.

00:06:26: Doch jetzt ist ihr Leben ein ständiges Auf und Ab zwischen Vorsicht und Misstrauen und so einer angespannten Wachsamkeit.

00:06:35: Und am schlimmsten... Jacqueline kann nicht mal sagen, warum ausgerechnet sie in diese gefährliche Situation geraten ist, in der sie sich jetzt so ausgeliefert und völlig hilflos fühlt.

00:06:49: Jacqueline hat niemanden irgendwas getan, sie hat keine Feinde, sie hat keine offenen Rechnungen und auch keine Geheimnisse, die irgendjemand gegen sie verwenden könnte.

00:07:01: Aber wie hat das alles?

00:07:03: angefangen.

00:07:04: Wie wurde aus dieser lebenslustigen Jacqueline eine junge Frau, die jetzt ständig auf der Hut ist und die sich nirgendwo mehr sicher fühlt?

00:07:13: Wir springen erstmal zurück in die Zeit, in der Jacqueline von diesem ganzen Horror noch gar nichts ahnen konnte, weil es vorher war.

00:07:21: Und das war im Jahr

00:07:25: Ja, da ist Jacqueline sechsundzwanzig Jahre alt und sie arbeitet seit einigen Jahren als OP-Schwester in einem großen Krankenhaus.

00:07:33: OP-Schwester, das war einmal ihr Traumberuf.

00:07:36: Schon als Kind hatte sie davon geträumten Menschen zu helfen und beruflich etwas zu tun, das sich für sie wichtig und sinnstiftend anfühlt.

00:07:44: Und genau das schien dieser Beruf zu bieten, Nähe zum Leben, Verantwortung und die Chance in kritischen Momenten wirklich etwas zu bewegen.

00:07:52: Jacqueline liebt es, im Team zu arbeiten, sie mag die Präzision, die Konzentration und das gegenseitige Vertrauen im Operationszahl.

00:08:01: Aber irgendwann kommt in ihr der Wunsch auf, sich beruflich zu verändern.

00:08:05: Sie merkt, dass sie etwas anders machen will, etwas, das Menschen nicht nur in akuten Krisen begleitet, sondern sie langfristig unterstützt.

00:08:14: Jacqueline träumt jetzt davon, weiterhin zu helfen, aber auf eine andere Weise.

00:08:19: Vielleicht mit Fitness, Ernährung und einem gesunden Lebensstil.

00:08:23: Sie möchte Menschen dabei unterstützen, ihre Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen.

00:08:29: Weil ich einfach gemerkt habe, dass ich gerne mehr machen wollen würde, Menschen zu helfen und zu begleiten, bevor sie halt auf dem OP-Tisch liegen.

00:08:38: Und da war ich halt der Meinung, okay, man muss halt viel früher anfangen.

00:08:43: Ja, ist einfach schön, weil du machst einfach etwas aus dem Herzen heraus, weil es dir einfach Spaß macht.

00:08:49: Ja, kann es andere Menschen damit das Leben bereichern.

00:08:53: Und deshalb

00:08:53: kündigt Jacqueline im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr,

00:09:05: im

00:09:05: Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, Das alles ist Neuland für sie.

00:09:16: Sie spürt, dass sie jemandem braucht, der sie vielleicht dabei unterstützt, dieses neue Kapitel anzugehen.

00:09:22: Jemand, der ihr zeigt, wie sie ihre Ideen in klare Schritte übersetzt, Fehler vermeidet und von Anfang an Strukturen schafft, die langfristig funktionieren.

00:09:33: Deshalb sucht sie nach einem Beratungsgespräch, einem Coaching.

00:09:37: Nach kurzer Suche findet Jacqueline auf einer Social-Media-Plattform jemanden, der zu ihr und ihrem beruflichen Vorstellung zu passen scheint.

00:09:45: Es ist ein Mann, der online seine Beratung anbietet.

00:09:49: Ein Coach namens Markus.

00:09:52: Jacqueline fragt in ihrem Netzwerk nach und tatsächlich.

00:09:56: Einige ihrer Bekannten hatten bereits Kontakt mit ihm und empfehlen ihn weiter.

00:10:01: Es gibt ja ein gutes Gefühl.

00:10:03: Markus bezeichnet sich selbst als Wellness-Coach und Jacqueline hat den Eindruck, das könnte genau das Richtige für sie sein.

00:10:11: Also nimmt sie Kontakt zu Markus auf und vereinbart einen Termin.

00:10:16: Dieser Termin findet dann aber nicht vor Ort statt, sondern nur telefonisch.

00:10:21: Jacqueline wählt zur verabredeten Zeit die Telefonnummer von Markus und die beiden unterhalten sich.

00:10:31: Total, sag ich mal, ambitioniert war.

00:10:35: Also auch, ne?

00:10:36: So eine, für sich so eine Vision dahinter hatte.

00:10:40: Und einfach sein Ding gemacht hat, dann war irgendwie auch Massadeterreport.

00:10:44: Man hat so ein bisschen gesehen, was er schon gemacht hat.

00:10:46: Also einfach ein ambitionierter junger Mann.

00:10:49: Jacqueline ahnt nicht, dass diese Begegnung einige Zeit später ihr gesamtes Leben verändern wird.

00:10:56: Und dass dieses scheinbar harmlose Beratungsgespräch, dieses Coaching, ihren Alltag schon bald auf eine Weise beeinflussen wird, wie sie es sich in ihren schlimmsten Albträumen nicht hätte ausmalen können.

00:11:08: Aber noch ist sie hier in dieser Beratung bei Markus und sie ist enttäuscht.

00:11:14: Danach war halt sein Coaching-Gespräch mit mir und ab da an wusste ich dann schon so, okay gut, also ... Das war es dann auch nach dem Gespräch, weil er hat mich nicht wirklich gecoacht.

00:11:29: Er hat irgendwas aus dem Buch vorgelesen.

00:11:31: Für mich war das ganz komisch.

00:11:35: Jacqueline fühlt sich in diesem Beratungsgespräch überhaupt nicht abgeruht.

00:11:39: Sie fühlt sich weder verstanden noch wirklich beraten.

00:11:43: Für sie steht nach dieser einen Sitzung sofort fest, also Markus ist definitiv nicht der Coach, der sie auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleiten soll.

00:11:52: Für Jacqueline ist die Sache also direkt ganz klar.

00:11:55: Sie möchte keine weitere Stunde bei ihm buchen.

00:11:58: Sie bedankt sich bei Markus und sagt ihm aber auch ganz offen, dass sie kein Coaching mehr bei ihm in Anspruch nehmen wird.

00:12:06: Das finde ich eigentlich schon sehr gut von ihr.

00:12:09: Ich versetze mich da gerade in die Situation.

00:12:11: Ich bin manchmal, ich neige manchmal bei so was zur kleinen Feigheit.

00:12:15: Es ist

00:12:15: ein Unangenehmen dem anderen zu spiegeln, dass man nicht zufrieden ist.

00:12:20: Voll.

00:12:21: Also... Kann ich mich nicht ganz von freie sprechen, hätte bei mir auch hinterher dann per Mail kommen können oder so, weil ich den nicht irgendwie brüskieren will oder so.

00:12:29: Deswegen, das finde ich sehr gut, dass sie da so klar ist.

00:12:33: Markus reagiert erst mal freundlich, erscheint weder verärgert, noch enttäuscht zu sein.

00:12:40: Und dann hat er mich dann auch gefragt, ja, wann treffen wir uns denn mal?

00:12:43: Und dann meint ich so, nee, also, wir treffen uns gar nicht.

00:12:46: Für mich war es wirklich nur rein zur Weiterentwicklung mehr nicht.

00:12:51: ist es für mich jetzt auch gegessen sozusagen, also abgehakt.

00:12:55: Und Jacqueline sagt Markus in diesem Gespräch auch ganz offen und sofort, dass sie einen festen Freund hat und kein Interesse daran, Markus jetzt auf einer privaten Ebene oder privaten Situation zu treffen.

00:13:08: Sie betont mehrfach, dass ihr Termin mit ihm rein beruflich war, nicht mehr und nicht weniger und ja auch einmalig.

00:13:17: Markus und Jacqueline verabschieden sich höflich.

00:13:20: Alles scheint zunächst völlig normal zu sein.

00:13:23: In den Wochen danach meldet sich Markus immer wieder bei Jacqueline und zwar stets mit derselben Frage, ob sie sich nicht doch noch einmal mit ihm treffen wolle.

00:13:33: Jedes Mal lehnt Jacqueline freundlich, aber bestimmt ab.

00:13:37: Doch Markus lässt nicht locker.

00:13:38: Ständig schreibt er ihr, immer wieder bittet er um ein Treffen.

00:13:42: Und jedes Mal antwortet Jacqueline, dass sie kein Interesse hätte.

00:13:47: Aber Markus ist hartnäckig und sehr aufdringlich und Jacqueline beginnt sich nach einiger Zeit über seine Zutringlichkeit

00:13:53: zu ärgern.

00:13:54: Und auch beim Erzählen fühle ich mich jetzt an dem Punkt schon unwohl mit der Art von ihm und mit diesem da nicht aufhören können, weil ein Nein auch auf dieser Ebene ist einfach ein Nein.

00:14:07: Aber Markus respektiert, da diese Grenze von Jacqueline da schon nicht.

00:14:12: Im Gegenteil, er ignoriert ihre Ansagen und ihre Absagen und verhält sich so, als hätte er nicht verstanden, was sie ihm ganz deutlich gesagt hat.

00:14:24: Das ist, ja, an dem Punkt kann man sagen, wirklich ärgerlich, ein bisschen unangenehm auch schon.

00:14:30: Und ich werde auch sehr genervt gewesen.

00:14:34: Markus lässt nicht locker.

00:14:36: Und Jacqueline zieht nun eine klare Grenze.

00:14:39: Sie blockiert ihn.

00:14:41: Das bedeutet, dass sie Markus' Telefonnummer und seine Profile auf ihren sämtlichen Geräten

00:14:47: sperrt.

00:14:48: Dadurch kann Markus sie weder anrufen, noch kann er ihr weitere Nachrichten schicken.

00:14:54: Er kann sie jetzt weder per Telefon noch über E-Mail oder über ihre Profile auf den verschiedenen sozialen Plattformen, Netzwerken erreichen.

00:15:04: Für ihn sind diese Kontaktwege ab diesem Zeitpunkt wie abgeschaltet.

00:15:09: Er kommt nicht mehr an Jacqueline heran.

00:15:11: Zumindest denkt Jacqueline es in diesem Moment.

00:15:15: Dazu sei angemerkt, Jacqueline ist ja sehr aktiv in den sozialen Medien.

00:15:19: Also sie hat einige Profile auf verschiedenen Plattformen.

00:15:23: Genau, und diese Präsenz in den sozialen Medien, die sollte auch die Basis sein, also so eine Art festes Standbein für ihre berufliche Selbstständigkeit.

00:15:31: Genau, das ist ja heutzutage bei ganz vielen dieser Generationen auch der übliche und richtige Weg.

00:15:38: Markus ist also geblockt, das bedeutet seine Nachrichten kommen nicht mehr durch zu Jacqueline.

00:15:42: Es kehrt Ruhe ein.

00:15:45: Und Jacqueline vergisst diesen Mann, bei dem sie eine Coachingstunde gebucht hatte und der sie danach so hartnäckig bedrängt hat.

00:15:53: Aber nach wenigen Monaten erhält Jacqueline Nachrichten von völlig fremden Absendern und Accounts.

00:16:00: Sie wundert sich.

00:16:02: Andererseits weiß sie, dass jemand der, wie sie in den sozialen Medienauftritt, natürlich auch die Aufmerksamkeit von Fremden auf sich zieht.

00:16:12: Was sind das konkret für Nachrichten?

00:16:14: Das ist gar nichts Auffälliges.

00:16:15: Das sind Nachrichten, in denen ihr Auftritt gelobt wird.

00:16:19: Das sind Reaktionen auf das, was sie so veröffentlicht.

00:16:23: Seltsam ist nur, dass die Absender ihr völlig fremd sind.

00:16:26: Jacqueline hat noch nie von denen gehört.

00:16:29: Und so viel Follower hat sie noch nicht, dass das normal wäre.

00:16:33: Also normal würde sie einordnen können, von wem das kommt.

00:16:35: Genau.

00:16:38: Immer wieder tauchen nun neue Absender in Jacqueline's Postfächern auf.

00:16:43: Namen, die sie noch nie gehört hat.

00:16:45: Und E-Mail-Adressen ohne ein erkennbares Muster.

00:16:49: Sie versucht, diese Absender zuzuordnen, doch es gelingt ihr nicht.

00:16:53: Sie findet keine Hinweise und keine Verbindung zu realen Personen.

00:16:59: als sie die Adressen zurückzuverfolgen versucht, verlaufen alle Spuren im Nichts.

00:17:05: Jacqueline ist schnell klar, dass hier sind sogenannte Fake-Accounts, also Profile oder E-Mail-Adressen, hinter denen keine echte nachvollziehbare Identität steht und die meist nur erstellt werden, um anonym zu bleiben oder eine andere Person zu täuschen.

00:17:24: Oder um eine Sperre zu umgehen, nachdem man blockiert wurde.

00:17:27: Stimmt.

00:17:28: Denn genau das ist hier der Fall.

00:17:31: Nach kurzer Zeit gibt sich nämlich Markus zu erkennen.

00:17:34: Er hat diese Fake-Accounts erstellt, um Jacqueline Sperre zu umgehen und sie weiterhin kontaktieren zu können.

00:17:41: Und wieder ist er aufdringlich und hartnäckig, ohne die Grenze zu respektieren, die Jacqueline ja schon von Anfang an gesetzt hatte.

00:17:49: Markus schreibt und schreibt und bittet ständig um Treffen.

00:17:52: seine Nachrichten werden mit der Zeit immer dringender.

00:17:56: Und irgendwann bittet er nicht einfach, um ein Treffen.

00:17:58: Er fordert es beinahe ein.

00:18:01: Also so ist der Ton dieser Nachrichten.

00:18:03: Jacqueline ist nun wirklich wütend.

00:18:06: Sie fühlt sich nicht respektiert und völlig übergangen.

00:18:09: Wärst

00:18:09: du wütend, glaubst du, an dem Punkt oder auch schon ängstlich?

00:18:13: Ich glaube, ich wäre an dem Punkt noch genervt.

00:18:15: Das geht einem schon an die Substanz, dieses Bedrängende.

00:18:21: Ich glaube, dass ich schon ein bisschen ängstlich.

00:18:24: Einfach so ein erstes Gefühl.

00:18:26: Ja, wäre ich schon.

00:18:28: Aber bei ihr ist es eben in erster Linie Wut und auch das ist total nachvollziehbar.

00:18:32: Genau, denn sie fühlt sich nicht respektiert und sie fühlt sich völlig übergangen.

00:18:37: Jacqueline lässt in ihren Antworten an Markus keinen Zweifel daran, was sie von ihm hält und sie schreibt ihm in aller Deutlichkeit, wie unakzeptabel sie sein Vorgehen findet.

00:18:49: Ich habe ihn wirklich so sehr beleidigt, wie man jemanden nur beleidigen kann, um ihn klar zu machen.

00:18:56: Lass mich endlich in Ruhe.

00:18:59: Und

00:19:00: ja, und dann auch daraufhin immer wieder blockiert.

00:19:02: Also

00:19:03: so

00:19:04: klar weiß ich, also ich wüsste nicht, wie man es jemanden noch klarer machen könnte, dass man

00:19:10: möchte,

00:19:11: dass der andere einen einfach in Ruhe lässt und dass man kein Interesse

00:19:14: hat.

00:19:15: Die Situation zieht sich über Monate hinweg.

00:19:18: Immer wieder tauchen neue Nachrichten von Markus auf.

00:19:21: Jedes Mal von neuen Telefonnummern und Mailadressen oder von frisch angelegten Social Media Profilen.

00:19:27: Die wiederholten Kontaktversuche setzen Jacqueline nun langsam zu.

00:19:31: Trotz ihrer klaren Ablehnung hört Markus nicht auf sie anzuschreiben.

00:19:35: Jacqueline zeigt ihm unmissverständlich, dass sie keinen Kontakt wünscht.

00:19:38: Sie blockiert ihn immer wieder und sie lässt keinen Zweifel daran, dass jede Nachricht von ihm absolut.

00:19:44: unerwünscht ist.

00:19:45: Doch selbst diese eindeutigen Signale stoppen Markus nicht.

00:19:50: Mit neuen Accounts, neuen Nummern und immer wieder derselben Anfrage versucht er, sie weiterhin zu erreichen.

00:19:59: Irgendwann schlägt Markus vor, sich zu dritt zu treffen.

00:20:02: Jacqueline, ihr Freund und er.

00:20:04: Er könne ja Karten organisieren für eine Veranstaltung, schreibt Markus.

00:20:08: Jacqueline wird wütend.

00:20:10: Sie macht Markus klar, dass sie kein Interesse hat.

00:20:13: und dass er jede weitere Kontaktaufnahme bitte unterlassen soll.

00:20:18: Alles, was sie sich wünscht, ist Ruhe und dass ihre Grenzen endlich respektiert werden.

00:20:23: Mir platzt jetzt schon der Kragen.

00:20:25: Ich finde es so respektlos unerträglich.

00:20:29: Dieser Mensch, dieser Markus, behandelt diese junge Frau, als sei sie Luft.

00:20:35: Ich finde das niedrigen.

00:20:36: Ich finde das übergriffig, auch wenn dieses Wort immer so viel ... benutzt wird.

00:20:41: Ich finde es hier wirklich passend.

00:20:42: Das ist schon ein Übergriff.

00:20:45: Das ist ein ständiges Überschreiten von Grenzen und das ist nicht nur belästigend, sondern das ist auch jetzt schon, finde ich, emotional belastend.

00:20:54: Und das merkt man ja auch bei ihr und ich verstehe es

00:20:57: vollkommen.

00:20:59: Und ja, hatte das auch ein paar Freunden.

00:21:01: und Freundinnen erzählen, was ich gefragt habe.

00:21:04: Soll ich noch mal was anderes schreiben?

00:21:06: Weil ich beleide die Ideen ja schon mittlerweile.

00:21:08: Habt ihr noch eine Idee, was ich machen kann?

00:21:10: Weil man da fragt sich auch selber, vielleicht hat man irgendwie nicht was richtig kommuniziert?

00:21:15: Also irgendwo hab ich ja wirklich den Fehler bei mir gesucht, um zu gucken, hey, was hab ich vielleicht nicht richtig klar kommuniziert oder deutlich gemacht?

00:21:24: Ja, das ist aber auch leider dann so typisch.

00:21:27: Für uns Frauen muss ich in dem Fall sagen, selbst Vorwürfe.

00:21:31: Das sind da Fragen, ob der Fehler vielleicht bei einem selbst liegt.

00:21:36: Aber in den Fällen von Stalking und genau darum geht es hier heute, liegt die Verantwortung immer beim Täter, niemals bei der betroffenen Person.

00:21:48: Also selbst wenn Jacqueline sich jetzt nicht so toll, wie sie sich verhalten hätte.

00:21:53: Also wenn sie da unsicher gewesen wäre oder die Grenzen erst langsam gesetzt hätte, was ja hier überhaupt nicht der Fall ist.

00:22:01: Aber auch selbst wenn, dann rechtfertigt es niemals dieses beharrliche, verachtende, grenzüberschreitende Verhalten von Markus.

00:22:12: Das sei nochmal an der Stelle gesagt, ist mir ganz wichtig.

00:22:16: Mit anderen Worten, der Fehler.

00:22:18: Oder besser noch, das Fehlverhalten liegt nicht beim Opfer, sondern es liegt beim Täter.

00:22:25: Und zwar immer.

00:22:26: Das ist die Parallele auch zur ganzen Thematik des Missbrauchs.

00:22:30: Es liegt nicht beim Opfer, es liegt beim Täter.

00:22:33: Selbst Höflichkeit, Unsicherheit oder zögerliches reagierendes Opfers ändern daran überhaupt nichts.

00:22:40: Niemand darf die Grenzen eines anderen missachten.

00:22:44: Egal wie höflich diese kommuniziert werden.

00:22:48: ist kein Missverständnis, sondern es ist ein systematisches, ein wiederholtes Eindringen in das Leben, in das ganz persönliche Leben einer anderen Person.

00:23:00: Es ist eine gezielte, aufdringliche Handlung, die ganz klar ausdrückt, deine Grenzen werden nicht respektiert und dein Nein wird von mir dem Täter ignoriert.

00:23:10: Also Stocking ist im Grunde eine Form der Machtübernahme, die die betroffene Personen unter Druck setzen.

00:23:17: Die sollen die verunsichern und auch verletzen.

00:23:21: Bei Jacqueline kehrt erstmal Ruhe ein, viele, viele Wochen vergehen ohne dass Markus sich meldet.

00:23:27: Jacqueline atmet auf, sie ist erleichtert und beginnt zu glauben, dass die Sache nun endlich vorbei ist und dass Markus verstanden hat, dass sie an einem Treffen nicht interessiert ist.

00:23:37: Es bleibt still.

00:23:39: Und nach und nach verschwindet Markus aus Jacqueline's Gedanken, sie vergisst ihn.

00:23:44: Was Jacqueline in diesem Moment nicht ahnt, diese Ruhe ist trügerisch.

00:23:48: Und was sie auch nicht ahnt, Markus wird es nicht beim Verfassen von Nachrichten belassen, er wird weitergehen.

00:23:55: Denn Grenzen, die für andere selbstverständlich sind, existieren für ihn nicht.

00:24:00: Und während Jacqueline glaubt, Markus hätte verstanden, dass sie an ihm nicht interessiert ist, öffnen sich vor ihr bereits Abgründe, von denen sie noch keine Vorstellung

00:24:10: hat.

00:24:11: Es vergeht fast ein halbes Jahr, ohne dass Jacqueline etwas von Markus hört.

00:24:17: Doch dann, plötzlich klingelt Jacquelines Telefon.

00:24:20: Auf dem Display erscheint eine unbekannte Nummer.

00:24:24: Jacqueline nimmt das Gespräch entgegen.

00:24:27: Und er meinte dann so, ja, hallo, hier ist ein Romeo.

00:24:30: Und ich hatte halt keine Ahnung.

00:24:32: Ich dachte so, was?

00:24:33: Ich hatte es irgendwo da auch schon mir ausgeblendet, dass es ihn gibt.

00:24:36: Und meinte Gott, ich hab keine Ahnung, wer.

00:24:39: Er hat seinen richtigen Namen genannt.

00:24:41: und ich war dann so, ich musste erst mal noch mal in meinem Kopf überlegen, wer ist, wer ist der Name, den er da gesagt hat?

00:24:48: Und dann war ich so, und hab einfach aufgelegt und hab die Nummer dann blockiert.

00:24:54: Einige Monate später beginnt Markus wieder zu schreiben.

00:24:57: Dieses Mal entscheidet Jacqueline sich für eine neue Strategie.

00:25:01: Sie reagiert jetzt überhaupt nicht.

00:25:03: Sie blockiert Markus nicht mehr.

00:25:05: Sie ignoriert ihn einfach.

00:25:07: Aber er schreibt weiter.

00:25:10: Ich frage mich jetzt an der Stelle, was Jacqueline hätte tun können zu dem Zeitpunkt.

00:25:16: Also hätte sie da schon zur Polizei gehen können, hätte das schon Sinn gemacht?

00:25:22: Im Grunde ja, denn... Das ist ja ganz eindeutig ein Fall von Stalking.

00:25:27: Markus schreibt Jacqueline trotz ganz klar kommunizierter Grenzen immer wieder an und nutzt dabei sogenannte Fake-Accounts, also ein typisches Verhalten von Stalkern, wenn sie Kontakt erzwingen wollen.

00:25:40: Es gibt aber auch verschiedene Hotlines und Beratungsstellen, die auf Stalking und Nachstellungen spezialisiert sind.

00:25:46: Und an die kann man sich in solchen Situationen auch wenden.

00:25:49: Weil

00:25:49: es ist ja, warum frage ich mich das an der Stelle?

00:25:52: Weil man da ja auch wieder verunsichert ist.

00:25:54: Da ist man ja schnell bei diesem Punkt.

00:25:56: Ist ja jetzt noch nichts in Anführungszeichen passiert.

00:26:00: So diese fließende Grenze.

00:26:03: Schwierig.

00:26:04: Genau.

00:26:04: Und man merkt ja auch, dass er auf nichts reagiert.

00:26:07: Auf blockieren nicht, auf ignorieren nicht.

00:26:09: Sie ist ja völlig hilflos.

00:26:11: Ähm, die werden wir verlinken, diese Beratungsstellen und Hotlines in unseren

00:26:16: Schaunen.

00:26:18: Ich war mir auch nicht bewusst, was kann ich machen.

00:26:21: Ich hab auch nicht einmal den Gedanken daran gehabt, okay, ich geh jetzt zur Polizei und sag, jemand schreibt mir immer wieder neue Nachrichten.

00:26:31: Also, der hört halt nicht auf.

00:26:34: Jacqueline hat die Nachrichten von Markus in den vergangenen Wochen ignoriert.

00:26:38: Sie hat gehofft, dass die Belästigungen ... Nun endlich aufhören.

00:26:44: Und dann hat er mir halt nur geschrieben, ich komm nicht morgen besuchen.

00:26:48: Und da war ich so, okay, jetzt wird's wieder grenzüberschreitend.

00:26:52: Jetzt blockiere ich dich wieder und hab ihn halt blockiert.

00:26:54: Und ich hatte es bis dahin immer noch nicht zu hundert Prozent ernst genommen.

00:27:00: Krass, wie Tafsida noch mit umgeht, das finde ich echt bewundernswert.

00:27:07: Jacqueline macht sich also zunächst über die Mitteilung, dass Markus sie besuchen wolle.

00:27:12: Gar nicht allzu viele Gedanken.

00:27:15: Er kann sie übers Internet und Telefon bedrängen.

00:27:17: Ja, aber wo sie wohnt, kann er ja nicht wissen.

00:27:20: Zumindest glaubt Jacqueline das.

00:27:23: Ich habe dann eigentlich auch keinen weiteren Gedanken mehr daran verschwendet.

00:27:26: Bis zum nächsten Tag, als ich dann mich fertig gemacht habe und eigentlich gleich losgehen wollte, hat es halt oben hier an meiner Haustür geklopft.

00:27:38: Jacqueline hört das Klopfen und geht davon aus, dass es ihre Nachbarin ist.

00:27:42: Diese Nachbarin ist eine ältere Dame, die in der Wohnung unter ihr wohnt und die oft unangekündigt an Jacquelines Tür klopft, wenn sie kurz etwas besprechen will oder wenn sie Hilfe braucht.

00:27:52: Das ist nichts Ungewöhnliches.

00:27:54: Jacqueline öffnet also die Tür, ohne vorherzufragen, wer da ist.

00:27:59: Denn für sie ist ganz klar, dass die Dame von unten ihre Hilfe benötigt und deshalb schnell bei ihr vorbeischaut.

00:28:05: Ich sehe aber niemanden vor mir, sondern nur einen Typen unten angelehnt an meinem Türrahmen.

00:28:15: Und konnte denjenigen nicht zuordnen, habe die Tür ganz schnell wieder zugemacht.

00:28:22: Um die Situation klar einzuordnen, der Mann steht nicht ganz normal vor Jacqueline's Türe, sondern erkauert regelrecht auf dem Boden direkt vor ihrer Wohnungstür, unten auf dem Boden.

00:28:33: Stähne das so beklemmend vor.

00:28:36: Also du öffnest die Türe, nichts ahnend, rechnest da schnell, schnell mit der Nachbarin, wie immer.

00:28:41: Und dann ist das so komplett anders.

00:28:44: Da ist ein fremder Mann und der liegt da halb vor deiner Türe auf dem Boden vor deinen Füßen.

00:28:50: Ja, dieses

00:28:51: Unerwartete ist wahrscheinlich

00:28:54: feuchterlich.

00:28:54: Total.

00:28:55: Also sie erkennt

00:28:56: diesen

00:28:56: Mann nicht.

00:28:57: Klar, der ist Mitte dreißig, sagt sie, hat eine Glatze und kommt ihr völlig fremd vor.

00:29:03: Jacqueline wirft, Gott sei Dank, instinktiv die Wohnungstür wieder zu, aber der Mann im Treppenhaus klopft nun unentwegt und fordert weiter an die Türe.

00:29:14: Ich hab halt so ein Paar nicht gefragt, wer ist da?

00:29:17: Man hat halt mit so ganz verzerrter, grusiger Stimme gesagt, mein Name ist Neo und wer bist du?

00:29:27: Und...

00:29:28: Ich hab halt einfach Paar nicht bekommen, hab die Polizei gerufen.

00:29:31: Meinte, hier sitzt ein Typ von meiner Haustür, weil er dann weiter geklopft und geklingelt hat.

00:29:36: Und ich mir dachte, was macht der als Nächstes?

00:29:39: Kannst du die Stimme vorstellen?

00:29:41: Und dieses Klopfen, ich stell mir auch dieses vorderende Klopfen fürchterlich vor.

00:29:47: So, sie hat ja Gott sei Dank gleich die Polizei angerufen, der Mitarbeiter in der Leitstelle, der Polizei, der hört Jacqueline aufmerksam zu und verspricht, sofort eine Streife zu ihr zu schicken.

00:29:58: Der Fremde vor der Tür kloppt immer noch laut und hartnäckig und fordernd.

00:30:05: Dann ruft Jacqueline ihre Eltern an.

00:30:07: Die arbeiten nur wenige Gehminuten von dem Haus entfernt, in dem sie wohnt.

00:30:11: Jacqueline bittet die beiden, auf der Stelle vorbeizukommen und ihre Eltern machen sich sofort auf den Weg.

00:30:18: Inzwischen hat das fordernde und aggressive Klopfen gegen Jacquelines Tür aufgehört.

00:30:23: Aber Jacqueline wagt es nicht, die Tür zu öffnen.

00:30:26: um nachzusehen, ob der fremde Mann noch da

00:30:28: ist.

00:30:28: Auch da wieder völlig richtige und kluge Entscheidungen von ihr, parallel auch noch die Eltern anzurufen, die ja Gott sei Dank so nah sind.

00:30:37: Denn jede direkte Konfrontation mit einem unbekannten, potenziell gefährlichen Mann könnte da schon lebensgefährlich sein.

00:30:48: Ein paar Minuten später klingelt Jacqueline's Handy.

00:30:51: Es ist ihre Mutter.

00:30:53: Ich bin vor deinem Haus, sagt sie leise.

00:30:55: Und da ist ein Mann.

00:30:56: Er steht gerade vor dem großen Klingelbrett am Haupteingang.

00:31:01: Jacqueline steht unter Schock.

00:31:03: Ihr Herz rast jetzt und ihre Hände zittern.

00:31:07: Es sieht so aus, als würde er auf einen der Klingelknöpfe drücken, fügt ihre Mutter leise hinzu.

00:31:13: Und genau in diesem Moment klingelt es in Jacqueline's Wohnung.

00:31:17: Jacqueline schreit leise auf.

00:31:19: Der Mann unten vor dem Hauseingang muss also derselbe sein, der kurz zuvor auf dem Boden vor ihrer Tür im Treppenhaus gelegen hat.

00:31:27: Jacqueline's Mutter legt auf.

00:31:29: Einige Minuten später ruft sie wieder an.

00:31:32: Sie sagt, sie habe dem Mann zusammen mit Jacqueline's Vater in ein Gespräch verwickelt und er habe sich dann vorgestellt und seinen Namen genannt.

00:31:41: Und dieser Name lautet Markus Kapp.

00:31:46: Ja, also der Mann meinte, ihr seid verabredet.

00:31:49: Sein Name ist so und so.

00:31:51: Und er sagt, ihr kennt euch.

00:31:52: Und wie gesagt, ihr seid verabredet.

00:31:54: Und dann ist es mir bewusst geworden.

00:31:57: Es ist wie so, weiß ich nicht, wie so ein innerer ... Also, es hat einfach Klick gemacht.

00:32:04: Es hat wirklich so richtig Klick in meinen Kopf gemacht, dass ich wusste, okay.

00:32:07: Jetzt ist es wirklich so ernst.

00:32:10: Jetzt kann ich nichts mehr wegschieben, nichts mehr kleinreden.

00:32:16: Ihr Ziel ist es, ihn so lange aufzuhalten, bis die Polizei eintrifft.

00:32:21: Sie stellen ihm ganz beiläufig Fragen zu seiner Identität, also woher er komme und wo er Jacqueline kennengelernt habe.

00:32:27: Daraufhin zeigt Markus den beiden seinen Personalausweis.

00:32:31: Ist das crazy, oder?

00:32:33: Außerdem zieht er sein Handy aus der Tasche und sucht Jacquelines Telefonnummer in seinem Verzeichnis.

00:32:39: Er möchte beweisen, dass Jacqueline und er sich kennen.

00:32:43: Aber da denke ich ja jetzt schon, der hat einen an der Klatsche auch.

00:32:46: Also wie kommt es denn?

00:32:48: Markus wird später sagen, dass er gedacht hat, Schaklins Eltern seien Zivilpolizisten und deshalb habe er sich ihn gegenüber ausgewiesen.

00:32:56: Markus erzählt noch, dass er zufällig in der Gegend war und er dachte, er könne bei dieser Gelegenheit mal kurz bei Jacqueline vorbeischauen.

00:33:04: Ach, jetzt verstehe ich, dass er will, dass auch so ein bisschen alles herunter spielen und dem ganzen Ding so eine Beiläufigkeit geben.

00:33:11: So ist er alles ganz normal hier, er wollte bei einer Freundin vorbeischauen, alles easy peasy.

00:33:14: Ganz genau, so eine alte Bekannte.

00:33:18: Das passt jetzt alles schön für ihn.

00:33:20: Der ist nicht

00:33:20: verrückt, der ist besonders durchtrieben.

00:33:22: Genau.

00:33:25: Aber dann verabschiedet er sich von Jacquelines Eltern und er geht, bevor die Polizei vor Jacquelines Haus eintrifft.

00:33:32: Wenige Minuten, nachdem Markus gegangen ist, fährt die Polizei vor Jacqueline's Wohnhaus vor.

00:33:37: Die Polizisten hören sich alles ruhig an und ihre Einschätzung ist eindeutig.

00:33:42: Das, was Jacqueline erlebt hat, ist ganz klar ein Fall von Stalking.

00:33:47: Es ist jetzt Freitag Nachmittag und die Beamten empfehlen Jacqueline, am Montag direkt zum Gericht zu gehen, um dort eine Einstweilige Anordnung, eine sogenannte Schutzanordnung nach dem Gewaltschutzgesetz zu beantragen.

00:34:03: Also, um das mal näher zu erklären, diese Anordnung bedeutet, dass das Gericht kurzfristig Maßnahmen zu Schaklins Schutz erlassen kann.

00:34:11: Also, Markus darf dann keinen Kontakt mehr zu Schaklin aufnehmen.

00:34:16: Er muss einen festen Abstand zu ihr einhalten und darf sich bestimmten Orten, etwa ihrem Zuhause oder ihrer Arbeitsstelle, nicht mehr nähern.

00:34:25: Diese Anordnung soll Jacqueline vor weiteren Übergriffen schützen.

00:34:29: Genau, und diese Schutzanordnung, die ist gerichtlich bindend.

00:34:33: Also verstößt der Täter dagegen, macht er sich strafbar und die Polizei kann sofort einschreiten.

00:34:39: Ja, aber das sage ich schon mal auch an der Stelle.

00:34:43: In der Theorie läuft das alles so, wenn sich alle an alles halten, was da so vorgegeben ist.

00:34:50: Umgangssprachlich würde man sagen Kontaktverbot, also ein gerichtliches Verbot, den anderen zu kontaktieren oder sich ihm zu nähern.

00:34:58: Doch es ist Freitag und Jacqueline kann die Schutzanordnung erst am Montag beantragen.

00:35:04: Aber es gibt eine Maßnahme, die nun direkt umgesetzt werden

00:35:07: kann.

00:35:08: Die Polizeibeamten informieren Jacqueline und ihre Eltern, dass sie sofort eine Gefährderansprache veranlassen werden.

00:35:15: Das bedeutet, Die Polizei wird Markus persönlich aufsuchen und ihm unmissverständlich klarmachen, dass sein Verhalten strafbar ist und er es sofort zu unterlassen hat.

00:35:28: Eine Gefährderansprache darf man sich nicht wie so ein lockeres Informationsgespräch vorstellen.

00:35:33: Im Gegenteil, der Gefährder, also in diesem Fall Markus Karp, wird von der Polizei zu Hause aufgesucht und er erhält eine unmissverständliche Warnung.

00:35:44: Die Beamten machen ihm klar, dass nachstellen, unerwünschte Kontaktversuche oder jegliche Form der Belästigung strafbar sind und sofort zu unterlassen sind.

00:35:55: Die Polizei führt dieses Gespräch, um zukünftige Straftaten zu verhindern.

00:36:01: Die Polizei darf aber im Rahmen dieser Gefährderansprache kein längerfristiges Kontaktverbot aussprechen.

00:36:08: Das ist dann Sache des Gerichts.

00:36:10: Jacqueline bedankt sich bei den Polizeibeamten.

00:36:13: Ihre Stimme zittert, obwohl sie versucht, ruhig zu klingen.

00:36:16: Dann packt sie hastig ein paar Sachen zusammen.

00:36:19: Denn für sie steht eines fest.

00:36:21: Sie wird ihre Wohnung an diesem Tag nicht mehr betreten.

00:36:25: Sie muss raus, weg von diesem Ort, der sich nicht mehr wie ihr zu Hause anfühlt, sondern wie ein Ort, an dem Gefahr droht und an dem sie nicht mehr sicher ist.

00:36:36: Also ich war wirklich ... Also ich war wirklich ab dem Zeitpunkt.

00:36:41: traumatisiert, auch traumatisiert durch seinen Auftreten, wie er hier unten vor meiner Haustür lag, wie er geredet hat, was er gesagt hat.

00:36:51: Ja, und das Ganze hat jetzt so die nächste Stufe eindeutig erreicht, würde ich sagen.

00:36:56: Jacqueline verlässt also ihre Wohnung und zieht zunächst zu ihrem Freund.

00:37:01: Apropos auch Wohnung, woher hatte Markus die Privatadresse von Jacqueline?

00:37:06: Ja, Jacqueline hatte ja den Plan, sich selbstständig zu machen.

00:37:10: Und sie hatte bereits erste Informationen und Inhalte im Netz bereitgestellt.

00:37:14: Dafür musste sie, und das ist gesetzlich vorgeschrieben, einen Impressum veröffentlichen.

00:37:19: Und ein Impressum ist eine Art Visitenkarte im Internet.

00:37:23: Dort muss man angeben, wer hinter einer Webseite oder einem Online-Angebot steckt und wie man die Person oder das Unternehmen erreichen kann.

00:37:31: In einem Impressum stehen unter anderem der Name und die Firmenadresse.

00:37:36: Das sollte kein Problem sein, aber Jacqueline, die ja noch keine Büroräume hatte, die gab in ihrem Impressum ihre private Wohnadresse an.

00:37:44: Und dort in diesem Impressum hatte Markus ihre private Adresse gefunden.

00:37:50: So konnte er plötzlich vor ihrer Wohnung liegen und gegen ihre Türe hemmern.

00:37:54: Ja klar.

00:37:55: Das machen ja viele so, also wenn sie keine Firmenadresse haben, etwas völlig normales.

00:38:00: Natürlich kann man jetzt im Nachhinein wieder sagen und... Vielleicht gibt es Menschen, die das tun, wie unvorsichtig.

00:38:07: Aber ehrlich gesagt, ich hätte das als angehende Unternehmerin genauso gemacht.

00:38:13: Das musst du ja.

00:38:13: Das ist gesetzlich vorgeschrieben.

00:38:15: Und wenn du keine andere Adresse hast, das machen ganz viele, gibst du deine Privatadresse.

00:38:20: Wer rechnet an dem Punkt damit, dass ein Stalker vor der Wohnungstür liegt?

00:38:26: Ja.

00:38:27: Die Nacht von Freitag auf Samstag verbringt Jacqueline bei ihrem Freund.

00:38:31: Aber am Samstag, also an dem Tag nach dem verstörenden Besuch von Markus K., macht sich Jacqueline auf den Weg zu ihrer Wohnung.

00:38:39: Eigentlich will sie nur kurz ihre Post holen.

00:38:41: Doch Jacqueline ahnt nicht, dass der Horror noch nicht vorbei ist.

00:38:46: Und dass das, was sie bisher überstanden hat, nur der Anfang war.

00:38:52: Ich bin halt am Briefkasten und da habe ich dann zwei sehr, sehr verstörende Briefe von ihm vorgefunden.

00:39:01: Man benutzt das T-Shirt und hat angefangen zu zahlen.

00:39:04: Passt da.

00:39:05: Angefressene Schokolade.

00:39:07: Ein Bild von Jesus.

00:39:09: Umrund, ja.

00:39:11: Und in den Beriefen hat man gemerkt, es war ganz böse, total kontextlos.

00:39:18: Hat aber irgendwie schon auf ... Also, es ist bis heute einfach schockierend.

00:39:26: Hat sich die Haare abgebrannt aufgrund dessen.

00:39:29: Weil er ja weiß, dass das irgendwo falsch ist, was er macht.

00:39:33: Dann halt auch so sehr gewaltvolle sexuelle Fantasien dort in dem Brief geschrieben.

00:39:41: Aber es hat alles, war alles total würdig.

00:39:42: Es hat alles keinen Sinn ergeben.

00:39:44: Alles ganz komisch.

00:39:46: Oh, mir läuft's.

00:39:48: Kalten Rücken runter.

00:39:50: Und Jacqueline ist an dem Punkt machtlos.

00:39:53: Sie hat keinerlei Kontrolle über diese ganze Situation, die ja jetzt wirklich hochbedrohlich ist.

00:40:00: Denn wir wissen nicht, was Markus Kargetan hätte, wenn er am Tag zuvor in Jacqueline's Wohnung hätte eindringen können, wenn ihm das gelungen wäre.

00:40:09: Es ist eher unwahrscheinlich, dass er nur auf einen Tee vorbeikommen wollte.

00:40:14: Ganz klar, dass er völlig unberechenbar und damit auch gefährlich

00:40:18: ist.

00:40:19: Ja, und er wollte Jacqueline in Panik versetzen.

00:40:21: Er wollte sie in diese massive Angst treiben.

00:40:23: Total.

00:40:24: Also er hat nicht unten geklingelt und über die Sprechanlage gesagt, wer er ist und was er will, er lag vor ihrer Türe, oben vor der Wohnung.

00:40:32: Und dann dieser Brief, ich weiß gar nicht, wie ich dem beschreiben soll, fast so dämonisch kommt mir da ein Kopf.

00:40:38: Ja, ja.

00:40:39: Furchterregend.

00:40:39: Sehr furchterregend.

00:40:41: Markus K. Ja, ich finde, wie so ein Phantom, der halt auftaucht und wieder verschwindet.

00:40:48: Und da brauchen wir gar nicht um heißen Brei reden.

00:40:51: Wirklich die Fakto, was tun gegen ihn, kann jetzt die Polizei auch gerade nicht.

00:40:56: Das sind schon alles.

00:40:57: erstmal nur Worte.

00:41:01: Bei mir zieht sich alles zusammen.

00:41:03: Am Montag fährt Jacqueline zum Gericht.

00:41:05: Sie füllt dort Formulare aus und beantragt eine Schutzanordnung mit Annäherungs- und Kontaktverbot.

00:41:12: Der Vorgang wird geprüft und wenige Tage später wird Jacqueline darüber informiert, dass dieses Annäherungs- und Kontaktverbot genehmigt wurde und dass Markus K. nun darüber in Kenntnis gesetzt wird.

00:41:23: Von diesem Zeitpunkt an darf sich Markus Jacqueline nicht mehr auf weniger als fünfzig Meter nähern.

00:41:30: Es ist ihm untersagt, sie per E-Mail über Social Media Accounts oder telefonisch zu kontaktieren.

00:41:36: Jede Zuwiderhandlung gegen diese Auflage kann strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

00:41:42: Aber Markus hört nicht auf.

00:41:44: Wenige Wochen später schickt er wieder ein Paket.

00:41:46: Jacqueline bringt es ungeöffnet zur Polizei.

00:41:49: Ein weiteres Paket, das danach bei ihr eintrifft, öffnet sie.

00:41:54: Darin befinden sich einige angebissene Süßigkeiten, eine Bibel, Engelskarten und Engelsanhänger und ein Buch.

00:42:04: Dieses Buch ist aufgeschlagen.

00:42:07: Taten statt Worte, liest Jacqueline auf der Seite, die Markus für sie markiert hat.

00:42:12: und die Liebe äußert ihre Wirklichkeit in Taten, nicht in bloßen Worten.

00:42:19: Worte allein besitzen keine Wirkung.

00:42:22: Wow, allein dieser Satz, den finde ich total bedrohlich.

00:42:26: Und wenn man das alles hört, also was er da auch reingetan hat, bekommt man jetzt erstmal so den Eindruck, okay, dieser Typ ist vielleicht Geistig völlig verwirrt.

00:42:37: Aber das täuscht.

00:42:38: Wahrscheinlich will er einfach nur Panik und Horror erzeugen.

00:42:42: Die Polizei, die ihn immer wieder aufsucht, wenn er etwas geschickt hat, die hält ihn nämlich für voll schuldfähig und nicht für geistig verwirrt.

00:42:52: Aber zurück zu dem Paket.

00:42:54: Da sind nämlich noch mehr Dinge drin.

00:42:57: Jacqueline findet in diesem Paket noch Düfte und ein benutztes Deo und schließlich noch ein offizielles Formular.

00:43:05: Unterklin erkennt, dass es sich um einen schriftlichen Antrag auf Ehe-Schließung

00:43:10: handelt.

00:43:10: Dieser Antrag auf Ehe-Schließung, der ist schon ausgefüllt.

00:43:14: Markus hat seine Unterklin-Daten bereits in das Dokument eingetragen.

00:43:21: Ja,

00:43:22: man merkt einfach, dieser Mensch will oder kann es nicht verstehen.

00:43:28: Also er kennt ja Jacqueline überhaupt nicht persönlich.

00:43:30: Die beiden haben vor mittlerweile ganz langer Zeit einen einzigen Coaching-Termin am Telefon.

00:43:37: Die sind sich da noch nie real begegnet, außer ja diese schreckliche Situation im Hausflur, als er vor ihrer Tür lag.

00:43:46: Ja und man merkt, dass Markus wirklich nichts versteht.

00:43:49: Diese ständigen Absagen von Jacqueline haben gar nichts bewirkt bei ihm.

00:43:54: Diese Ablehnung hat Markus nicht verstanden, auch die Ansage der Polizei hatte offensichtlich nicht verstanden.

00:43:59: Und ich glaube, das ist ja genau auch Kern des Stalkers an sich.

00:44:05: Klare Ablehnung oder irgendwie sachliche Argumente erreichen einen Stalker nicht, weil, so sagen es die Fachleute, diese emotionale Fixierung ist halt stärker als jede Logik oder jede Erklärung oder jede Ansage oder Grenze.

00:44:21: Sie halten sich also an der Fantasie einer Beziehung oder einer besonderen Verbindung fest.

00:44:29: Das existiert nur in deren Kopf und sie interpretieren selbst dann neutrale Gesten oder vielleicht sogar Zurückweisungen als Bestätigung ihrer eigenen Vorstellung.

00:44:43: Wird das so klar, wie ich es jetzt gesagt habe?

00:44:45: Weißte ich meine?

00:44:46: Ja, und wir haben ja jetzt zwei Dinge hier auf dem Tisch liegen.

00:44:49: Das eine ist dieser Text aus dem Buch über die Liebe und das zweite ist dieses Formular-Antrag auf E-Schließung.

00:44:58: Also er glaubt wirklich an eine ganz spezielle Verbindung zwischen sich und Jacqueline.

00:45:02: Ja, er will auch Nägel mit Köpfen machen, also den Weg über Starnesamt gehen.

00:45:08: Ich bin so zwischen entsetzen und aber auch war ich ekel mich vor dem so.

00:45:14: Und dann von Heirat und Liebe zu sprechen, das ist wirklich schrecklich.

00:45:18: Absurd.

00:45:19: Also das macht keiner, der ein bisschen Zuneigung für dich empfindet.

00:45:23: Ich hab nie gedacht, dass er mich lieben könnte, weil für mich Definition, also die Definition von Liebe einfach eine ganz andere ist, als die, die er da gezeigt hat.

00:45:36: Ja, also dieses Gefühl, das merkt man uns beiden, glaube ich, auch an, dieses Gefühl des Ausgeliefertseins, dem Jacqueline da ja wirklich ausgesetzt ist, das beengt sogar beim Erzählen, weil man spürt, dass dieser Mensch, also dieser Markus in seiner eigenen Logik, um es mal so zu nennen, gefangen ist und dass der ja auf nichts im Außen reagiert.

00:46:01: Deswegen sehe ich das auch so kritisch mit der Gefährderansprache und so beim Stalker schwierig, ihn zu erreichen.

00:46:12: Ja, Jacqueline ist einer Situation ausgesetzt, die sich durch Vernunft offensichtlich nicht stoppen lässt.

00:46:18: Und auch nicht durch die Gesetze dieses Staates, denn Markus wird immer zudringlicher, immer massiver.

00:46:24: Jacqueline findet gebrauchte Männerschuhe vor ihrer Tür, die unter einer Decke versteckt sind.

00:46:29: Zwischen diesen Schuhen liegt angebrochene Schokolade.

00:46:33: Und dann kommen Briefe, Briefe, in denen Markus seine Liebe gesteht und Briefe, die so anzüglich und so gewaltverherrlichend und eindeutig sexuell motiviert sind, dass wir sie hier nicht zitieren.

00:46:44: Genau.

00:46:44: Wir wollen sie bewusst nicht zitieren.

00:46:48: Ich sage euch nur so viel.

00:46:49: Es sind unerträgliche Worte.

00:46:51: Erniedregend, aufführend.

00:46:54: absichtlich sehr verletzend.

00:46:56: Wir werden diesen Horrorfantasien dieses Menschen hier keinen Raum geben.

00:47:02: Seht uns das bitte nach.

00:47:04: Sie sind so entwürdigend, dass allein das Lesen schon ein Gefühl von Bedrohung und Abscheu auslöst.

00:47:12: Markus Botschaften zielen darauf ab, Jacqueline zu demoralisieren, ihre Privatsphäre, ihre Intimsphäre zu verletzen.

00:47:21: und sie psychisch massiv unter Druck zu setzen.

00:47:25: Immer wieder ruft Jacqueline bei der Polizei an, um die Vorfälle zu melden.

00:47:29: Die Beamten sprechen mehrfach mit Markus.

00:47:32: Sie verwahnen ihn und erheben Bußgelder.

00:47:35: Markus bezahlt die Geldstrafen, doch es ändert sich nichts.

00:47:38: Markus stellt sich jedes Mal unwissend, wenn die Polizeibeamten vor seiner Türe stehen.

00:47:43: Er behauptet dann zum Beispiel, er habe nicht gewusst, dass auch ein Brief oder ein Päckchen unter das Kontaktverbot fallen.

00:47:51: Jacqueline fühlt sich allein gelassen.

00:47:53: Sie beschreibt sich selbst als vor Angst wie gelähmt.

00:47:57: Im Grunde sagt sie, habe sie nur noch funktioniert.

00:48:00: So, als würde sie ihren Alltag nur noch mechanisch abarbeiten, ohne wirklich präsent zu sein.

00:48:08: Denn Markus könnte überall sein.

00:48:10: Er lag vor ihrer Türe und er dringt in regelmäßigen Abständen in ihr Wohnhaus ein, um Dinge wie seine alten Turnschuhe in ihrem Treppenhaus zu hinterlegen.

00:48:19: Und dann verschwindet er immer wieder spurlos.

00:48:22: Und es gibt keine Zeugen, die ihn gesehen haben.

00:48:25: Jacqueline hat ständig Angst.

00:48:27: Ihre Panikattacken werden so stark, dass sie es oft kaum noch schafft, mit der Bahn zu fahren.

00:48:33: Immer wieder sagt sie Termine ab, weil die Verzweiflung sie überfällt oder sie schon im Voraus spürt, dass sie das nicht schaffen wird.

00:48:41: Ihr Alltag beginnt sich zunehmend, um diese Panik zu drehen.

00:48:45: Jeder Schritt nach draußen wird zur Herausforderung.

00:48:49: Auch Jacqueline's Mutter und Jacqueline's Freund beobachten mit wachsender Beunruhigung, wie sehr sich die junge Frau verändert, wie sie sich zurückzieht und wie die Angst immer mehr Raum in ihrem Leben einnimmt.

00:49:02: Diese junge Frau, die eigentlich in ihr neues Leben starten wollte, die voller Ideen und Pläne für ihre Selbstständigkeit war, diese junge Frau kapselt sich nun immer mehr ab, weil sie das Gefühl hat, beobachtet und verfolgt zu werden.

00:49:18: von einem Mann, den sie nicht sieht, der aber trotzdem wie eine unsichtbare Bedrohung ständig präsent ist.

00:49:24: Und auch wenn er keine Spuren hinterlässt, er könnte überall sein, hinter ihr im Bus, im Supermarkt zwischen den Regalen oder in der Menschenmenge auf der Straße.

00:49:35: Vielleicht folgt er ihr dort, ohne dass sie es merkt.

00:49:39: Jacqueline sieht ihn nie.

00:49:41: Er ist wie ein Phantom, das bedrohlich über ihrem Alltag schwebt.

00:49:45: und dass ihr das Gefühl gibt, in größter Gefahr zu sein und unablässig von ihm gejagt zu werden.

00:49:52: Also man ist einfach erschöpft, weiterhin traumatisiert.

00:50:01: Das dauert halt alles, wenn man ja dann immer, wenn er dagegen verstößt.

00:50:07: Man zeichnet alles auf, man schickt alles den Gericht, der Polizei, man fühlt die Formulare aus, damit das Ordnungsgeld durchgeht.

00:50:15: So, es war halt einfach eine extrem anstrengende Zeit und ich habe einfach nur versucht irgendwie den Tag zu überleben.

00:50:24: Ja, wie erwähnt, uns liegen Auszüge aus diesen Briefen, die Markus Antaklin geschickt hat vor.

00:50:31: Diese Briefe voller... Gewaltverheerlichender sexueller Fantasien, alleine der Inhalt dieser Nachrichten macht ganz klar deutlich, der Stalker ist gefährlich.

00:50:42: Seine Absichten sind nicht harmlos, seine Botschaften ziehen eindeutig darauf ab, Angst zu erzeugen und immer mehr Grenzen zu überschreiten.

00:50:51: Jacqueline beginnt in dieser Zeit, gelegentlich im Internet, über ihre Ängste und ihre Erfahrungen als Stalking-Opfer zu berichten.

00:51:00: Und plötzlich ist sie nicht mehr allein.

00:51:02: Plötzlich melden sich viele Frauen, die dieselben Erfahrungen gemacht haben, wie Jacqueline.

00:51:08: Das war einer der erschreckendsten Erkenntnisse überhaupt, dass es so so viele gibt, die betroffen sind.

00:51:16: Auch dann, wo ich es auf Social Media auch geteilt habe, auch in meinem engeren Kreis.

00:51:21: Da kamen auf einmal auch Leute auf mich zu, die auch gesagt haben, ja, das habe ich auch erlebt.

00:51:25: Oder das und das habe ich so erlebt.

00:51:27: Aber es ist ... dann halt einfach so und es wird so, sag ich mal, tot geschwiegen oder einfach nicht weiter darauf eingegangen.

00:51:34: Gleichzeitig wusste ich, dass es auch Frauen gibt, die sich umbringen gehen, die sich so einsperren, die nicht mehr rausgehen, die einfach sich dem ingeben.

00:51:46: Sieh, wie gibt's da was zu den Zahlen?

00:51:48: und nochmal ein bisschen mehr, weißt du, zum Hintergrund Thema Stalking?

00:51:52: Ja,

00:51:52: es gibt Zahlen.

00:51:53: Und zwar im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr

00:51:59: im Jahr im Jahr im Jahr im

00:52:00: Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im

00:52:00: Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr

00:52:02: im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr

00:52:05: im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Pro Tag, die zur Polizei gehen und sagen Entschuldigung, jemand stockt mich.

00:52:15: Unglaublich, oder?

00:52:16: Aber man geht davon aus, dass die Dunkelziffer noch viel, viel höher ist.

00:52:20: Aber kannst du ja vorstellen, viele Frauen ... trauen sich nicht zur Polizei zu gehen.

00:52:25: Ja, logisch.

00:52:26: Dafür gibt es viele Gründe.

00:52:27: Denn häufig stammt der Täter aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld der Frauen.

00:52:31: Ich glaube, es ist ja gerade im Bereich Stalking auch ganz oft so die Ex-Beziehung.

00:52:36: Also der Ex-Freund, der dann, wenn sie Schluss macht, zum Stalker wird.

00:52:40: Die Ex-Beziehungen, einen großen Anteil natürlich an den Stalking-Fällen, aber auch Arbeitskollegen, vielleicht der eigene Chef.

00:52:50: Ein Nachbar, ein Familienmitglied.

00:52:52: Und

00:52:53: Silvi, überleg mal die Hürde, die Hemmung zum Beispiel den Arbeitskollegen oder noch den Teamleiter oder sonst was den Chef anzuzeigen.

00:53:02: Da gehst du nicht zur Polizei.

00:53:04: Du bist ja auch noch darüber hinaus in der Abhängigkeit.

00:53:07: Genau, genau.

00:53:08: Also gibt's eine riesige Dunkelziffer.

00:53:10: Eine riesige Dunkelziffer.

00:53:12: Also man geht davon aus, dass nur zwanzig Prozent aller Stalkingfälle gemeldet werden.

00:53:17: Und die Statistiken zeigen seit Jahren dasselbe Bild.

00:53:21: Über achtzig Prozent der Stalker sind männlich und die überwiegende Mehrheit der Opfer sind Frauen.

00:53:27: Ich finde auf der einen Seite diese Zahlen unfassbar beeindruckend und andererseits die Geschichte der Einzelfall hier auch sehr beeindruckend, denn Vielleicht hört man das sonst und liest von diesen Zahlen, aber wenn man sich das mal vorstellt, wir haben jetzt erzählt, was in diesen Paketen war, die Nummer da im Treppenhaus und so.

00:53:51: Wenn die Geschichte zum Anfassen wird, dann kann man erst richtig nachempfinden, was Docking eigentlich bedeutet.

00:54:00: Kurz vor Weihnachten klingelt es unten an Jacqueline's Tür.

00:54:04: Über die Gegensprechanlage antwortet sie zögernd.

00:54:07: Hallo?

00:54:09: Eine männliche Stimme meldet sich.

00:54:11: Hallo.

00:54:12: Sofort weiß Jacqueline, wer dort draußen auf der Straße steht.

00:54:16: Sie erkennt die Stimme, es gibt keinen Zweifel.

00:54:19: Er ist wieder da, direkt vor ihrer Tür.

00:54:22: Jacqueline sagt noch einmal, hallo.

00:54:25: Doch diesmal bleibt die Antwort aus.

00:54:27: Stille.

00:54:28: Jacqueline wählt sofort die Notrufnummer, die, eins, eins, null.

00:54:33: Kurze Zeit später trifft die Polizei ein.

00:54:35: Doch Markus ist verschwunden.

00:54:37: Spurlos.

00:54:39: Wie jedes Mal.

00:54:40: Die Beamten können nichts tun und müssen unverrichteter Dinge wieder wegfahren.

00:54:45: Für sie gibt es keinen eindeutigen Beweis, dass es tatsächlich ihr Stalker war, der vor ihrer Haustür gestanden und geklingelt hat.

00:54:53: Jacqueline bleibt allein zurück und sie ist verzweifelt.

00:54:56: Er war da.

00:54:57: Sie hat ihn gehört und trotzdem kann niemand etwas gegen ihn unternehmen.

00:55:02: Er ist verschwunden, als hätte er sich in Luft aufgelöst.

00:55:06: Er ist verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen.

00:55:09: Jacqueline hat das bedrückende Gefühl, dass er jederzeit zurückkommen könnte und dass sie vielleicht niemals mehr wirklich sicher sein wird.

00:55:18: Es vergehen einige Tage.

00:55:20: Dann, am sechsohnzwanzigsten Dezember, zwei Tausendvierundzwanzig, zwei Tage nach Heiligabend, kommt es zu einem Vorfall, der alles verändert.

00:55:28: Sechs Wochen sind inzwischen vergangen, seit Jacqueline Storker im Treppenhaus für ihre Wohnung lag und gegen ihre Türe hemmerte.

00:55:35: Sechs Wochen, in denen Jacqueline immer wieder abstoßende Briefe und ekelhafte Gegenstände in ihrem Briefkasten oder für ihre Türe gefunden hat.

00:55:44: Wochen, die an ihrer Substanz gezehrt haben und sie an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht und die jedes Gefühl von Sicherheit in ihr zerstört haben.

00:55:54: Jacqueline und ihr Freund verbringen diesen zweiten Weihnachtsfeiertag zu Hause in Jacqueline's Wohnung.

00:55:59: Und sie ahnen nicht, dass sie in diesem Moment schon längst in Gefahr schweben.

00:56:07: An diesem sechsohnzwanzigsten Dezember, zwei tausend vierundzwanzig, machen sich Jacqueline und ihr Freund gerade fertig.

00:56:14: Sie wollen gleich die Wohnung verlassen, sie sind spät dran und sie sind in Eile.

00:56:19: Plötzlich klingelt es an der Tür.

00:56:21: Jacquelines Freund nimmt den Hörer der Gegensprechanlage ab.

00:56:25: Bevor er etwas sagen kann, erklärt ihm ein Mann hektisch, er sei ein Hausbewohner und er stehe unten vor der Tür, aber leider habe er seinen Schlüssel vergessen.

00:56:35: Er bittet darum, die Tür von oben aufzudrücken.

00:56:39: Jacqueline's Freund betätigt den Türöffner.

00:56:41: Währenddessen geht Jacqueline ins Bad, um sich fertig zu machen.

00:56:46: Sie bekommt nicht mit, dass jemand in dieser Zeit an die Wohnungstür klopft.

00:56:51: Und dass ihr Freund daraufhin die Tür öffnet.

00:56:54: Plötzlich hört Jacqueline laute Schreie und dumpfe Geräusche, als würde etwas Schweres mit voller Wucht zu Boden oder gegen eine Wand geschleudert werden.

00:57:04: Jacqueline erstarrt.

00:57:05: Sie weiß sofort, wer dort draußen ist.

00:57:08: Der Mann, der eben geklingelt hat.

00:57:11: Sie reißt die Badezimmertür auf und stürzt in ihren Hausflur.

00:57:15: Ihr Herz rast.

00:57:17: Im Flur ist nichts.

00:57:19: Aber Jacqueline sieht, dass die Wohnungstüre zum Treppenhaus offen steht.

00:57:24: Von dort kommen auch die lauten Schreie.

00:57:26: Sie rennt zur Tür.

00:57:28: Im Treppenhaus sieht sie zwei Männer, die ineinander verkeilt auf dem Boden liegen.

00:57:33: Ihr Freund und ein Fremder.

00:57:36: Ihr Freund liegt oben.

00:57:37: Er versucht, den anderen Mann niederzuhalten.

00:57:40: Noch bevor Jacqueline den Fremden richtig erkennt, weiß sie, wer es ist.

00:57:45: Markus K. schlägt wild um sich und versucht sich aus der Umklammerung ihres Freundes zu befreien.

00:57:52: Jacqueline dreht sich ruckartig um.

00:57:54: Sie holt ihr Telefon.

00:57:55: Mit zitternden Händen wählt sie die Einz, Einz, Null, die Notrufnummer der Polizei.

00:58:00: Sie weiß, dass es jetzt schnell gehen muss und das jetzt jede Minute zählt.

00:58:05: Denn hier in diesem Treppenhaus kann es jederzeit zu einer Katastrophe kommen.

00:58:10: Markus K. ist unberechenbar und er ist gefährlich.

00:58:13: Jacqueline hat Todesangst und sie hat Angst um ihren Freund.

00:58:17: Ihr Stalker ist zu allemfähig, das weiß sie.

00:58:20: Es ist sofort jemand bei ihnen, sagt der Mann aus der Notrufzentrale.

00:58:25: Als sie Beamten eintreffen, liegt Markus K. unter Jacquelines Freund im Treppenhaus.

00:58:29: Der Stalker, der es so geschickt verstanden hatte, immer wieder scheinbar spurlos zu entkommen, wird nun von der Polizei abgeführt.

00:58:38: Dieses Mal gibt es keinen Zweifel.

00:58:41: Markus K. hat das Annäherungsverbot grob missachtet.

00:58:45: Die gesamten Beweise sind eindeutig.

00:58:47: Endlich reichen sie aus, um einen Prozess gegen ihn einzuleiten.

00:59:03: Unberechenbar.

00:59:04: Wir kennen ja die Texte seiner brutalen und grob frauenverachtenden Nachrichten und wir wissen zu was er fähig ist.

00:59:12: Gut, andererseits könnte es natürlich sein, dass sie schneller den Rückschluss gezogen hätte, dass es ihr Stalker ist.

00:59:19: Das weiß man alles nicht.

00:59:20: Aber wenn sie auch aus so einer Stimmung heraus oder so impulsiv geöffnet hätte, da darf man sich gar nicht ausmalen, der Freund wäre nicht dabei gewesen.

00:59:30: Im Juni twenty-fünfundzwanzig kommt es zum Prozess gegen Markus.

00:59:35: Jacqueline betritt das Gerichtsgebäude und wird zunächst allein befragt.

00:59:39: Sie schildert detailliert die Jahre des Stockings, zunächst die langen Phasen, in denen Markus sie trotz ihrer klaren Absagen unaufhörlich und rücksichtslos angeschrieben hat, dann die Übergriffe und schließlich die Ereignisse des sechsunzwanzigsten Dezember.

00:59:54: Alles wird sorgfältig protokolliert.

00:59:56: Nachdem Jacquelines Aussage abgeschlossen ist, darf sie den Raum verlassen.

01:00:00: Nun wird Markus K. befragt, während Jacqueline mit ihren Eltern draußen im Flur des Gerichtsgebäudes wartet.

01:00:07: Zur Urteilsverkündung wird Jacqueline schließlich wieder in den Saal gerufen.

01:00:11: Jetzt erfährt sie, dass Markus bereits vorbestraft ist und zwar wegen Körperverletzung.

01:00:16: Die Richter zählen auf, wie oft Markus K. gegen das Annäherungsgesetz verstoßen hat und sie merken an, dass er in der Verhandlung keinerlei Reue gezeigt hat.

01:00:25: Das Gericht verkündet schließlich das Urteil.

01:00:28: Markus K. wird zu acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

01:00:32: Diese wird aber zur Bewährung ausgesetzt.

01:00:35: Für Markus K. bedeutet das, dass er weiterhin auf freiem Fuß bleibt.

01:00:40: Sich jedoch in den nächsten drei Jahren keine einzige Ernährung an Jacqueline erlauben darf.

01:00:45: Für Jacqueline ist dieses Urteil zunächst eine große Erleichterung.

01:00:49: Sie geht davon aus, dass sie nun Ruhe haben wird und dass sie in dieser Zeit ohne Angst leben kann, ohne ständig mit dem nächsten Auftauchen ihres Torkers rechnen zu müssen.

01:01:00: Jacqueline's Mutter und ihr Vater, die ebenfalls als Zeugen geladen waren, empfinden das Urteil jedoch ganz anders.

01:01:06: Beide sind tief getroffen von dem, was sie miterlebt haben.

01:01:10: Der Vater beschreibt später, wie sehr die vergangenen Zeit die gesamte Familie belastet hat und wie viel Vertrauen durch den Stalker Markus Kahrt zerstört wurde.

01:01:21: Auch Jacqueline's Mutter wirkt sichtlich aufgewühlt.

01:01:25: Sie hat ihre Tochter in Phasen erlebt, in denen sie kaum noch am alltäglichen Leben teilnehmen konnte.

01:01:31: In Momenten, in denen Jacqueline nicht aus dem Haus gehen wollte, in denen sie Termine absagte, in denen sie aus Angst umkehrte oder mit Panikattacken zu kämpfen hatte, selbst bei einfachen Wegen oder Fahrten mit der Bahn.

01:01:45: Für die Angehörigen steht fest, die Bedrohung hat nicht nur Jacqueline, sondern die ganze Familie verändert und erschüttert.

01:01:53: In der Familie herrscht nach dem Urteil kaum Zuversicht.

01:01:56: Jacqueline's Mutter ist überzeugt, dass Markus K. sich nicht an die Bewährungsauflagen halten wird.

01:02:02: Und tatsächlich soll sie recht behalten.

01:02:04: Keine vierundzwanzig Stunden nach der Verhandlung erhält Jacqueline erneut eine Nachricht.

01:02:09: Dieses Mal von einem frisch angelegten Fake-Account.

01:02:13: Für sie besteht kein Zweifel daran, dass der Absender Markus K. ist.

01:02:17: Sie meldet diese Schreiben der Polizei und die überprüft, ob die Nachricht tatsächlich von Markus K. stammt.

01:02:24: Das Verfahren über diese Nachricht findet dem nicht statt, doch seitdem hat sich der Stalker nicht mehr bei Jacqueline gemeldet.

01:02:31: Und man kann nur hoffen, dass das so bleibt und dass Jacqueline endlich Ruhe findet.

01:02:37: Die Ereignisse haben Jacquelines Leben nachhaltig verändert.

01:02:42: Man lebt wirklich.

01:02:44: mit der Angst.

01:02:45: Weil, solange er nicht im Gefängnis ist, hat man weiterhin diese Angst.

01:02:52: Und dieses Unwohlsein, diese Ungewissheit.

01:02:54: Und selbst wenn er ja im Gefängnis ist, irgendwo ist er danach, okay, nach acht Monaten ist er wieder raus, er kann er dann wieder weitermachen.

01:03:02: Genau.

01:03:02: Und genau aus diesem Gefühl und diesem Eindruck heraus, er kann ja dann wieder weitermachen.

01:03:08: Und es ist nur eine Bewährungsstrafe.

01:03:11: Wir haben da im Vorfeld lang drüber gesprochen.

01:03:15: Was nehmen wir mit aus dieser Folge?

01:03:17: Wie gehen wir aus dieser Geschichte heraus?

01:03:19: Weil Jacqueline hat ja letztendlich, muss man Gott sei Dank sagen, Glück gehabt.

01:03:23: Also zweimal stand dieser Stalker trotz des Annäherungsverbot direkt vor der Türe, wohlgemerkt ein Mann, der ja auch schon wegen Körperverletzung vorbestraft war.

01:03:35: Und deswegen möchte ich diese Frage unbedingt zum Schluss aufgreifen.

01:03:40: nochmal.

01:03:42: Die Frage Wie können eigentlich Stalking-Opfer besser geschützt werden?

01:03:49: Denn ich finde es sonst unbefriedigend.

01:03:52: Wir können so nicht einfach sagen, jetzt hoffen wir einfach, es bleibt so.

01:03:55: Und dazu etwas ganz Wichtiges.

01:03:56: Im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im und damit auch in Extremfällen von Stalking gesetzlich ermöglichen soll.

01:04:16: Also um es klar abzugrenzen, da geht es aber um Hochrisikofälle, wo wahrscheinlich auch schon was passiert ist.

01:04:23: Also grundsätzlich finde ich es sehr gut, dass das Thema überhaupt angegangen ist.

01:04:28: Spanien ist da, glaube ich, Vorreiter, sie wird bei häuslicher Gewalt schon angewendet.

01:04:35: Ich würde mir so sehr wünschen, dass das in Fällen von Stalking dahingehend, wenn überhaupt dieser Entwurf durchgeht, auch erweitert würde.

01:04:46: Denn diese Fußfessel, um es mal zu erklären, wie es in Spanien bei häuslicher Gewalt, bei Fällen von häuslicher Gewalt angewandt wird, die enthält GPS und Mobilfunktechnik, die dann die Position des Trägers in Echtzeit übermittelt.

01:05:01: Also.

01:05:02: Konkret, betritt er dann eine verbotene Zone, eine Schule, eine bestimmte Straße mit einer Adresse oder einem Bürogebäude, wird sofort Alarm ausgelöst und die Polizei kann dann reagieren.

01:05:18: Das wäre doch ein probates Mittel.

01:05:22: Also genau in diesem Fall hier von Markus, der also vorbestraft ist, der de facto auch schon etwas gemacht hat, der den Freund angegriffen hat.

01:05:32: Würde man jetzt zu dem Punkt kommen, ja, du bekommst zum einen die Bewährungsstrafe, aber wir vertrauen dir nicht, weil du hast es vertrauen und die Regeln ja schon mehrfach gebrochen ist, hast du gezeigt, du bekommst jetzt noch für die Zeit X eine Fußfessel, dann wäre das Opfer viel geschützter, richtig?

01:05:55: An gewissen Orten wäre es geschützt, weil sofort, also wenn er sich der Wohnung nähern würde, würde die Polizei das sofort bemerken.

01:06:02: Ja, aber es wäre, weißt du, es wäre einfach ein greifbarer Schutz.

01:06:07: Sie hätte wenigstens ihre Schutzräume.

01:06:09: So ist es.

01:06:10: Sie hätte ihre sicheren Plätze sozusagen.

01:06:12: Absolut.

01:06:14: Ein anderer ja ganz wichtiger Aspekt wäre daran, dass der Täter ganz klar unter Aufsicht

01:06:22: steht.

01:06:22: Ganz genau.

01:06:24: Und das fände ich so wichtig.

01:06:25: Also wir appellieren an dieser Stelle, es gibt so viel Stocking-Opfer da draußen.

01:06:32: Nochmal die Zahl letztes Jahr, zwanzig tausend allein angezeigte Fälle und die Dunkelziffer ist ganz hoch.

01:06:38: Es muss da mehr passieren zum Schutz der Opfer.

01:06:43: Und wir bedanken uns natürlich an dieser Stelle bei Jacqueline, die so mutig war und auch so mutig ihre Geschichte erzählt hat.

01:06:54: Und ich bedanke mich auch bei dir fürs Miterzählen, Sevi.

01:06:58: Ich danke dir.

01:06:59: Und heute sind die Shownotes besonders wichtig, denn wir haben darin Hotlines und Beratungsstellen verlinkt, die helfen und mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn man ein Opfer von Stalking ist.

01:07:10: Danke an euch fürs Zuhören.

01:07:12: Bis ganz bald.

01:07:13: Und passt aufeinander auf.

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