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#86 Im Schatten des Verrats

Shownotes

Ein Mann, der ein Geheimnis hütet. Ein Junge, der keine Erinnerung hat. Und ein Eintrag in einem Buch, der kaum zu entziffern ist.

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Instagram https://instagram.com/julia_leischik

TikTok https://www.tiktok.com/@spurlos.julia.leis

Redaktion Sylvia Lutz Natalya Prokhorenko

Ton Migo Fecke (Soundhouse Tonproduktionen GmbH)

Eine Produktion der StellaLuisa GmbH In Zusammenarbeit mit Endemol Shine Germany und Rainer Laux Productions

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Transkript anzeigen

00:00:02: Ein Mann, der ein Geheimnis hütet.

00:00:04: Ein Junge, der keine Erinnerung hat und

00:00:07: einen Eintrag

00:00:08: in einem Buch, der kaum zu entziffern ist – heute bei Spurlos!

00:00:28: Selvi,

00:00:29: ich habe mal wieder ein bisschen gelesen was unsere Zuhörerschaft.

00:00:33: Ich weiß nicht die anderen geben immer so Namen den Leuten.

00:00:37: das fällt mir jetzt gerade ein weil ich grade sage Zuhöhrerschaft machen wir aber nichts.

00:00:41: und was

00:00:41: meinst du denn mit Namen?

00:00:42: Was wird denn da so vergeben?

00:00:43: Also, das will ich jetzt nicht zitieren bei anderen Podcasts.

00:00:47: Aber immer in Anlehnung an den Namen des Podcasts würden wir jetzt unsere

00:00:53: Hörer... Spurlosis!

00:00:54: ...die Spuris, die Losis machen wir nicht, oder?

00:00:58: Sind wir raus?

00:00:59: Ist nicht unser Ding ne?

00:01:00: Ich denke.

00:01:01: Nein, nein.

00:01:02: Machen wir nicht.

00:01:03: Gut, wir wollen es nicht werten aber ist nicht unser Ding würde ich einfach mal so verhalten.

00:01:06: also die Zuhörerschaft Ich kriege viel Post du ja auch in Form vor allem natürlich von Mails oder irgendwelchen Direktnachrichten bei Insta etc.

00:01:16: zwei Punkte die ich besprechen wollte zum einen bitten uns die Leute ja immer wieder Einen eigenen Kanal oder irgendwas wo sie direkt nur zu spurlos und zu den einzelnen Folgen was schreiben können irgend sowas aufzumachen einzurichten.

00:01:32: Und es ist soweit.

00:01:34: Wir haben bei TikTok jetzt einen Spurlos-Kanal, also ihr findet uns bei Tiktok unter spurlos bindestrich Julia Leischig und da könnt ihr zu den einzelnen folgen auf jeden Fall auch was schreiben wir können uns austauschen etc.. Wir würden uns wahnsinnig freuen wenn ihr uns folgt.

00:01:55: Das war Punkt eins.

00:01:57: Wie ist das denn mit Instagram?

00:01:58: Ja

00:01:59: Da habe ich mich dazu entschieden, Spurlos mit zu integrieren auf meinem Kanal.

00:02:04: Einfach Julia Leischig an den blauen Haken erkennt ihr dass ich es auch bin weil ich hab gesehen ist gibt sehr viele Julias da ja so.

00:02:12: Sehr viele Faker.

00:02:13: Auch

00:02:13: bei Tiktok ist unglaublich.

00:02:15: aber ja gut wo fängst du da an?

00:02:17: Ich mein wie gesagt das steht ja immer... Ich bin auf Monk geflogen, ich bin vor zwanzigeren verstorben und vor allem Was ich ein Männer verschleiß hab, ist ja unglaublich.

00:02:27: Also da ist so eine

00:02:30: oder andere gewesen

00:02:31: über dich.

00:02:31: Stimmt alles nicht vergessen!

00:02:34: Ich

00:02:34: sag dir was da los ist.

00:02:36: Also Julia Leischig Blauerhaken bei Instagram, da ist er auch Spurlos verlinkt, da kann man auch zu den einzelnen Folgen was schreiben und ausschließlich jetzt eben auch auf dem neuen TikTok-Kanal.

00:02:49: Und dann ist mir noch ein anderes Thema aufgefallen, was öfters kommt.

00:02:53: Immer wieder Fragen zu Hörer oder Zuhörerinnen wann die neuen Folgen und Geschichten also bei Spurlos, die wir hier erzählen, bei bitte melde dich im Fernsehen zu sehen sein werden?

00:03:04: Ich glaube dazu kann man das nochmal ein bisschen näher erklären wie sich das eigentlich bei uns verhält mit den Geschichten.

00:03:10: Genau!

00:03:10: Die meisten Spurlusgeschichten, also der überwiegende Teil nur hier im Podcast zu hören.

00:03:17: Dann wird man nie in der Fernsehsendung sehen, das sind exklusiv Spurlos-Geschichten und Suchen die du nur für den Podcast aufgenommen

00:03:25: hast.

00:03:25: Genau also natürlich gibt es einen Anteil von Geschichten, die auch ein bitte melde dich Kosmos dann irgendwann stattfinden oder mal stattgefunden haben, die wir aus irgendeinem Grund ausgewählt haben aber spurlos ist ansonsten eine eigene Welt.

00:03:44: Also das finde ich auch ganz wichtig zu betonen!

00:03:48: Auch den heutigen Fall hier werdet ihr nie im Fernsehen sehen, den erzählen wir nur hier in Spurlos.

00:03:55: Genau und es ist heute Albert der uns seine Lebensgeschichte erzählt und es geht darin um die Frage welches Recht hat man auf die Wahrheit?

00:04:04: Darf und soll man alles wissen selbst wenn die Wahrzeit vielleicht Schmerz verursacht, Leben zerstört oder Ordnung ins Chaos stürzt?

00:04:15: Es ist Sommer im Jahr six in einem kleinen Ort in Österreich, Voralberg.

00:04:21: Das Wetter ist mild und sonnig die Fenster der meisten Häuser stehen offen Und die Gardinen bewegen sich leicht im Wind.

00:04:30: Irgendwo zwischen den Häusern spielen einige Kinder Fußball.

00:04:34: Man hört das dumpfe Geräusch des Balls wenn er gegen eine Mauer prallt und aufgeregtes Rufen und Lachen.

00:04:40: Ein alter weißhaariger Mann betritt ein kleines Geschäft in einer Seitenstraße.

00:04:46: Die Türglocke klingt hell und die Frau hinter der Theke schaut auf.

00:04:51: Lachend begrüßt sie den Mann, als hätte sie auf ihn gewartet.

00:04:54: Die beiden wechseln ein paar Worte.

00:04:57: dann setzt sich der Mann in einen der Sessel an der Seitenwand im Geschäft.

00:05:02: Die Frau kommt nun aus dem hinteren Bereich des Ladens und bringt ihm eine Tasse Kaffee.

00:05:07: Dann räumt er ein paar Sachen in die Regale und schaut dabei immer wieder kurz zu ihm, als wolle sie sich vergewissern, dass alles passt.

00:05:15: Der alte Mann sitzt entspannt im Sessel, nippt an seinem Kaffee und lächelt jedes Mal wenn sie an ihm vorbeigeht.

00:05:23: Plötzlich sagt er etwas – ganz nebenbei!

00:05:26: Fast so, als hätte er sich diese Worte erst in diesem Moment überlegt….

00:05:32: Doch die Frau hält inne … Sie ist

00:05:34: fassungslos.".

00:05:36: Sie blickt zu ihm.

00:05:37: Er schüttert und unfähig sofort zu reagieren.

00:05:41: Draußen palt der Ball wieder gegen die Wand, Die Kinder rufen fröhlich durcheinander Aber hier in dem kleinen Laden scheint die Zeit plötzlich stehen geblieben zu sein.

00:05:53: Dann spricht er Mann weiter.

00:05:55: Er erzählt von einem schrecklichen Unrecht das ihn widerfahren ist Ein Unrecht dass ein Leben für immer verändert hat.

00:06:04: Die Frau ist fassungslos.

00:06:06: Niemand im Umfeld dieses Mannes hat je etwas von diesem Unrecht geahnt, das weiß sie!

00:06:13: Er muss seinen Schmerz jahrzehntelang mit sich herumgetragen haben und erst jetzt am Ende seines langen Lebens bricht er sein Schweigen.

00:06:22: Und in diesem Moment weiß die Frau was der Mann gerade erzählt hat.

00:06:28: Das wird sie nicht mehr loslassen Sie Nicht Und all die anderen nicht, die in dieses Sache verwickelt waren oder sind.

00:06:37: Der Mann möchte weitererzählen – doch in diesem Moment klingelt die Glocke über der Tür und eine Kundin kommt herein fröhlich und ahnungslos!

00:06:46: Sie begrüßt die Frau und den alten Mann und plaudert gut gelaunt über die schönen Dinge, die sie draußen in der Auslage gesehen hat.

00:06:54: Der alte Mann wird nie wieder ein Wort verlieren über das was er hier in diesem Laden kurz zuvor angedeutet.

00:07:01: Er wird bis zu seinem Tod schweigen.

00:07:04: Doch irgendwo draußen beginnen kurze Zeit später andere Menschen Fragen zu stellen, leise vorsichtig und dann immer drängender.

00:07:15: alte Briefe werden hervorgeholt vergessene Termine überprüft erinnerungen rekonstruiert die bisher niemand beachtet hat.

00:07:25: Es beginnt eine Suche nach der Wahrheit nach Gerechtigkeit für ein Verrat, der so lange verborgen geblieben war.

00:07:34: Doch es gibt kaum noch Spuren und je tiefer die suchenden Graben desto deutlicher wird, je näher sie der Wahrheit kommen, desto mehr scheint sie sich ihnen zu

00:07:45: entziehen.".

00:07:53: Frau in dem Laden hat gerade etwas gehört das sie erschüttert und bestürzt hat.

00:07:58: Sie geht nach Hause und erzählt dort, was der alte Mann ihr anvertraut hat.

00:08:02: Und kaum hat sie die Worte ausgesprochen, spürt sie dass etwas in Bewegung geraten ist.

00:08:07: Etwas das sie nicht mehr kontrollieren kann.

00:08:11: Der erste dem die Frau von diesem Gespräch im Laden und von den Worten des alten Mannes berichtet ist Albert.

00:08:17: Albert dessen Geschichte wir heute erzählen.

00:08:20: Als ich die Geschichte erfahren habe kam alles hoch.

00:08:25: Er

00:08:25: hat uns nie irgendwas erzählt Von seiner Geschichte.

00:08:31: Er hat uns auch nie irgendwas spüren lassen von seiner Vergangenheit, der hat das

00:08:38: weggesperrt.".

00:08:40: Die Wahrheit die der alte Mann im Laden preisgegeben hat war nur der Anfang Denn wenn eine Wahrheit plötzlich im Raum steht dann lösen sich oft alle bekannten Konturen auf und alles verändert sich.

00:08:54: jede Erinnerung, jedes Gefühl, jede Wahrnehmung wird dann schlagartig von dieser neuen Wahrheit gefärbt.

00:09:02: Das verschiebt Bedeutungen sie formt sie um und sie verdrängt alles!

00:09:07: Und genau das geschieht hier in unserer Geschichte.

00:09:11: was eben noch vertraut wirkte, das wird plötzlich fremd an diesem Punkt.

00:09:16: der alte Mann hat über dieses Unrecht, was da jetzt im Raum steht erst am Ende seines Lebens sprechen können.

00:09:23: oder besser er hat es ja nur angedeutet und er wird in den Monaten die ihm noch bleiben kein Wort mehr darüber verlieren.

00:09:32: Ja warum schweigt jemand so lange?

00:09:35: Und dann am Ende spricht der doch oder versucht's ein ganzes Leben lang hatte da Worte zurückgehalten hat anscheinend diese Last ganz alleine getragen.

00:09:46: vielleicht wollte er ja andere schützen oder sich selber schützen?

00:09:51: Vielleicht glaubte er, dass niemand die Wahrheit ertragen würde.

00:09:56: Aber jetzt mal zu Albert um den es heute geht damit wir das alles ein bisschen besser greifen können und langsam einordnen.

00:10:02: seine Geschichte die beginnt lange bevor dieser alte Mann im Laden diese Wahrheit preisgibt Diese Wahrheit die alberts Leben verändern

00:10:12: wird.

00:10:13: Albert wächst mit seinem jüngeren Bruder Fritz in Österreich auf, in Vorarlberg und zwar in den Sechzigerjahren.

00:10:20: Albert ist ein in sich gekehrter Junge erst nachdenklich, er ist ein Beobachter.

00:10:25: Sein jungerer Bruder fritzt dagegen ist der Mutigere von beiden.

00:10:29: Er ist immer bereit Neues zu entdecken und auch mal einen Risiko einzugehen.

00:10:33: Wenn Fritz fröhlich voran stürmt dann bleibt Albert oft zurück.

00:10:36: Er schaut sich um, er zögert und er wägt ab.

00:10:40: Aber obwohl sie so unterschiedlich sind, sind die beiden Brüder unzertrennlich.

00:10:44: Zusammen durchstreifen Sie die Wiesen und die Wälder rund um ihr Elternhaus.

00:10:48: Sie klettern auf Bäume, sie bauen Verstecke... ...und sie erkunden Wege, die nur Sie

00:10:52: kennen.".

00:10:53: Und natürlich hast du wahrscheinlich auch halt mal einen Kopfkino?

00:10:56: Man sieht die beiden in den kurzen Lederhosen, sechziger Jahre wie ein Film da in dieser wunderschönen Natur also...

00:11:04: So selbst gestrickten Knieströmung!

00:11:07: So stehe ich mir das auch vor.

00:11:08: Also die Welt der beiden Jungen ist schön und voller selbstgemachter Abenteuer, aber wir wissen ja schon gleichzeitig lauert dort das Unbekannte, das Unausgesprochene und ja das Unrecht.

00:11:23: Denn auch in jeder Idylle gibt es manchmal

00:11:26: Schatten

00:11:27: und Geheimnisse – und es gibt Verrat!

00:11:31: Aber davon ahnen Albert und sein Bruder noch nichts als sie fröhlich da über die Wiesen laufen….

00:11:36: Aber etwas ist seltsam, denn wenn man Albert nach seinen Kindheitserinnerungen fragt.

00:11:41: Nach den Jahren bevor er zehn Jahre alt war dann fällt seine Antwort ungewöhnlich aus.

00:11:48: Meine Eltern hatten ein großes Gasthaus mit Tankstelle am Arlberg.

00:11:54: Das ist meine erste Erinnerung.

00:11:57: aber sonst ist alles irgendwie wie weg das ist nicht nebel das ist weg ja wie irgendwo weggesperrt.

00:12:07: Ja.

00:12:07: also wenn Albert sagt Das ist alles irgendwie wie weg, da meint er genau das.

00:12:12: Seine Erinnerungen sind nicht verschwommen oder undeutlich so wie wir das kennen von wenn du fünf bis sechs, sieben Jahre alt sondern die sind bei ihm schlicht nicht vorhanden.

00:12:22: Die Jahre bis etwa zu seinem zehnten Lebensjahr existieren für ihn nicht als erinnerte Erlebnisse Sondern nur als nachträglich erzählte Fakten dem andere vermittelt haben.

00:12:35: Kein Gefühl, kein Geräusch.

00:12:36: Kein Geruch ist da irgendwie geblieben.

00:12:39: Es ist eben alles irgendwie

00:12:40: weg.".

00:12:41: Der Vater der beiden Jungen heißt Josef und Josef hat ein großes Haus gebaut für seine Familie – vielleicht in der Annahme dass Albert und Fritz noch weitere Geschwister bekommen würden?

00:12:52: Aber als Albert neun Jahre alt ist wird seine Mutter krank!

00:12:55: Sie ist jetzt oft über Monat in einer Klinik in der Nähe und darf nur gelegentlich für ein paar Tage nach Hause kommen.

00:13:02: Aber auch das weiß Albert nur aus Erzählungen, er kann sich an diese Zeit nicht selbst erinnern.

00:13:08: Also er weiß ja auch nicht was die Mutter hatte?

00:13:11: Er weiß es aus Erzählungen aber es gibt keine abrufbare Erinnerung daran.

00:13:16: Als er zehn Jahre alt ist stirbt seine Mutter, aber auch daran erinnert sich Albert nicht.

00:13:21: Der Tod seiner Mutter ist für ihn in der Rückschau kein erlebter Moment sondern Ja, ein Einschnitt über den später viel gesprochen wurde eben etwas was zu seiner Geschichte gehört.

00:13:32: Ohne dass es Teil seiner Erinnerung ist wie so'n Fakt die erkennt ohne ihn je selbst erlebt zu haben.

00:13:40: Also wenn ich Bilder sehe von meiner Mama Ich weiß es ist meine Mama Es war alles okay und so aber ich hab kein lebendiges Bild vor mir.

00:13:51: Ich zermachte mir den Kopf schon vierzig Jahre Versuche irgendwas herzurehren, es geht aber nicht.

00:14:02: Es ist

00:14:02: weg.".

00:14:04: Also dass Albert sich an die ersten zehn Jahre seines Lebens nicht erinnert?

00:14:08: Das ist glaube ich schon sehr ungewöhnlich weil so ein riesig langer Zeitraum ist und wie man auch gerade gehört hat für Albert ist dieses Fehlen von Erinnerungen sehr belastend.

00:14:19: Ja das kann man ja auch gut nachempfinden!

00:14:20: Für die meisten Menschen sind einzelne vergessene Momente schon eigenartig oder ja verstörend.

00:14:26: also Jeder kennt das wahrscheinlich.

00:14:29: Man sieht so ein Foto von sich in der Situation, an die man sich überhaupt nicht mehr erinnern kann.

00:14:34: Kennst du das?

00:14:35: Ja

00:14:35: klar!

00:14:36: Das ist schon seltsames Gefühl für mich und bei Albert fehlen irgendwie die ersten zehn Jahre also nicht nur Moment.

00:14:44: Albert weiß noch nichts dass es etwas gibt, das vor ihm und seinem Bruder verschwiegen wird.

00:14:51: Albert lebt in seiner Welt, er ahnt nichts Und doch existiert da was Unsichtbares, etwas das später sein Leben sehr berühren und auch verändern wird.

00:15:01: Ja wir werden noch erfahren dass in dieser Familie ein großer und tiefer Schmerzverborgen liegt und dass ein großes Unrecht geschehen ist, das zwar nie benannt wird aber das vielleicht doch immer irgendwie zu spüren ist.

00:15:15: Vielleicht hat Albert einmal beiläufig etwas bemerkt, einen Brief gesehen oder ein Wort gehört dessen Bedeutung er nicht einordnen konnte.

00:15:23: Wir wissen es nicht und Albert weiß es auch nicht!

00:15:27: Und so bleibt dieses Unrecht diese Tragik im Verborgenen – und zwar für eine ganz lange Zeit.

00:15:36: Erst nach dem Tod der Mutter setzen Alberts Erinnerungen wieder ein.

00:15:40: Sein Vater Josef ist nun allein für seine beiden Söhne verantwortlich.

00:15:44: Es ist das Jahr, und das Leben eines alleinerziehenden Vaters ist kaum einfacher als das einer Mutter – besonders auf dem Land.

00:15:55: Kann man sich vorstellen!

00:15:56: Hinzu kommt dass weder Josef noch seine Frau aus der Gegend stammt, in der sie nun leben.

00:16:01: Alberts Mutter kam aus der Schweiz und sein Vater Joseff stammte aus Oberösterreich.

00:16:07: Es gibt also keine Großeltern oder Tanten in der Nähe, die alberts Vater bei der Betreuung seiner Söhne unterstützen könnten.

00:16:14: Ich sag dann immer die allein erziehenden Großelter, die ja oft in so einem Fall einspringen

00:16:20: und das rettende Netz spannen

00:16:22: total!

00:16:23: Und auch keine alten Freunde, bei denen Jose vielleicht schon als Kind ein- und ausgegangen ist und die sich nun vielleicht mal gelegentlich um seine beiden Jungs kümmern könnten.

00:16:33: Josef ist nun Witwer und er ist als Vater ganz auf sich allein gestellt.

00:16:38: Ja, und Josefs Alltag ist nun nach dem Tod seiner Frau ein Bratseilakt denn er muss seinen Beruf und die Versorgung seiner beiden Söhne miteinander in Einklang bringen.

00:16:47: aber das gelingt ihm ganz hervorragend und mit seinem Humor, mit seiner Art wie er zuhört oder Geschichten erzählt vermittelt er Albert und Fritz also seinen Söhnen eine Sicherheit und eine Geborgenheit die sie nie vergessen werden.

00:17:02: Josef ist vom Beruf Bäcker.

00:17:04: Jede Nacht verlässt er, um zwei Uhr morgens das Haus und zur Arbeit in die Backstube zu gehen.

00:17:10: Einige Stunden später stehen dann seine Söhne auf.

00:17:13: Sie machen sich selbstständig für die Schule fertig.

00:17:15: Ihr Vater hat in der Nacht bereits alles vorbereitet.

00:17:19: Ihre Pausenbrote liegen sorgfältig verpackt auf dem Küchentisch.

00:17:23: Albert und Fritz müssen sie nur noch in ihre Schultaschen werfen bevor sie loslaufen in die Schule zum Unterricht.

00:17:30: Dann ist der Vater bereits zu Hause.

00:17:33: Er hat dann immer schon gekocht und jeden Tag wartet ein warmes Mittagessen auf die beiden Brüder.

00:17:39: Es gibt oft Eintöpfe, Hasenbraten, Knödel in allen Varianten Und Kartoffelgulasch.

00:17:46: Die drei essen dann gemeinsam und sie erzählen einander von ihrem Tag.

00:17:50: Albert erinnert sich dass sein Vater immer guter Dinge zu sein schien und das er und seinem Bruder ihm nie irgendein Anzeichen von Müdigkeit oder Erschöpfung angemerkt haben.

00:17:59: Ja und kaum waren die Teller vom Mittagessen abgeräumt, packten der Vater und seine Söhne auch schon ihre Taschen.

00:18:05: Und dann brachen sie gemeinsam auf!

00:18:09: Dann ging er mit uns im Sommer in Schwimmbad fast jeden Tag.

00:18:13: also wir waren Wasserraten.

00:18:14: Wir sind zum Schielaufen gegangen.

00:18:16: Da ist er mit Uns gegangen und hat praktisch den ganzen Tag seinen Tag uns zur Verfügung gestellt Also mit allem Drum und Dran und erst abends oft mal Es ging ja ins Bett, dass er noch drei, vier Stunden vielleicht Schlaf kriegt.

00:18:32: Um dann gleich wieder in die Arbeit zu

00:18:34: gehen.".

00:18:35: Also ich bin ganz großer Fan von diesem Vater!

00:18:39: Du musst ja denken... Anfang der siebziger Jahre sind wir jetzt also eine Zeit, in der Väter ein ganz anderes Rollenbild noch hatten vor allem in so einer ländlichen Gegend.

00:18:48: kannst du dir vorstellen?

00:18:50: Ich finde ihn ganz toll.

00:18:52: Alleinerziehende Väter waren sehr selten.

00:18:54: es gab da auch kaum Hilfsangebote von draußen und oft auch gar kein Verständnis dafür, dass sie die Kinder nicht in Opput zum Beispiel von Familienangehörigen gaben.

00:19:06: Ich vermute das es für Josef überhaupt nicht infrage gekommen wäre, die beiden Jungs irgendeiner Tante im fernen Oberösterreich anzuvertrauen.

00:19:16: Er ist nach den Erzählungen ein leidenschaftlicher Vater also sehr mit dem Herzen dabei und seine Söhne sagen bis heute, dass es ihnen nie zu viel wurde Zeit mit ihnen zu verbringen.

00:19:28: Und das haben wir ja gerade auch

00:19:29: gehört.".

00:19:31: Josef hat auch ein bemerkenswert gutes Gedächtnis – und er liebt Gedichte!

00:19:35: Und die gibt er auch gern zum besten und manchmal genau zur richtigen Gelegenheit.

00:19:40: oft aber auch wenn niemand damit rechnet und es überhaupt nicht passt.

00:19:44: Wenn er etwa im Winter mit Albert und Fritz zum Bus läuft alle dick eingepackt in warme Jacken die schie auf den Schultern oder wenn sie im Sommer zusammen im Freibad auf der Bank sitzen und Brote essen, dann zitiert Josef gerne ein paar Zeilen.

00:19:58: Und seine Söhne wechseln heimliche und amüsierte

00:20:01: Blicke.".

00:20:02: Ja und vor allem haben sie wohl die Glocke von Schiller gefürchtet, jeder der es mal lernen muss in der Schule weiß warum.

00:20:10: Das ist ellenlang aber die beiden lieben ihren Vater unendlich und deshalb lassen das mit Liebe über sich ergehen würde ich mal sagen so wie er's beschrieben hat.

00:20:19: Und diese Gedichte, die kann Josef noch aus seiner Schulzeit auswändig und besonders gern.

00:20:24: daran erinnert sich Albert.

00:20:26: Gibt sein Vater Gedichte von Schiller zum Besten?

00:20:29: Und sein Lieblingsgedicht ist Die Kraniche des Ibikus.

00:20:32: Oh, das musste ich auch nur lernen.

00:20:34: Das hör'n wir uns wieder so stein-alt an!

00:20:36: Ich muss es lernen aber ich kann's nicht mehr... Aber weißt du was ich gerade interessant finde?

00:20:40: dass er genau dieses Gedicht also der Vater dieses Gedichts gemachte.

00:20:45: Es geht daher, wenn ich mich richtig erinnere um ein Verbrechen.

00:20:49: Um einen

00:20:50: Mord

00:20:51: der nach langer Zeit aufgeklärt wird.

00:20:55: Ja wer weiß vielleicht

00:20:56: hat

00:20:56: der Vater von Albert immer gehofft dass ihm auch eines Tages Gerechtigkeit widerfährt.

00:21:03: wir wissen es nicht denn was seine Söhne immer noch nicht wissen Josef ist in seiner Vergangenheit Opfer eines großen Unrechts geworden und im Rückblick gehen wir davon aus, dass ihn dieses Unrecht immer zutiefst gequält und verletzt hat.

00:21:19: Also es ist umso beeindruckender finde ich das er seine Söhne das hat nie spüren lassen, dass er glaube ich oft sehr gelitten hatte.

00:21:27: Im Gegenteil wenn man Albert und Fritz auf ihren Vater anspricht dann sagen sie auch heute noch Er war unser größter Held.

00:21:36: kein Held, der sich wichtig macht oder der darauf aus ist bewundert zu werden.

00:21:40: Sondern einfach ein Mann, der ganz selbstverständlich das Richtige

00:21:42: tut.".

00:21:43: Die beiden Brüder bewundern ihren Vater Josef sehr – er ist ihr großes Vorbild und sie wissen, dass er in ihrer Kindheit absolut Außergewöhnliches geleistet hat.

00:21:52: Genau!

00:21:53: Und Albert sagt, er hat uns einfach sorgenfrei aufwachsen

00:21:57: lassen... Er war ein gestandener Mann.

00:22:01: Wenn er da stand, dann stand was da… Hat die große Hände und Kraft wie ein Büffel.

00:22:08: Als er in der Bäckerei gearbeitet hat, die haben mir das Grot noch von Hand gemischt.

00:22:12: Also große Teigmengen!

00:22:14: Da waren auch nicht die Maschinen von heute rum.

00:22:16: Dumm hatte deren den Armen eine Kraft, die war unglaublich – und vom Wesen so

00:22:21: sanftmütig.".

00:22:24: Aber Josef und seine beiden Söhne stehen unter Beobachtung.

00:22:28: Denn die Mitarbeiter des örtlichen Jugendamtes haben den alleinerziehenden Vater schon seit einiger Zeit im Blick.

00:22:35: Es war damals völlig ungewöhnlich, dass sich ein Vater ohne die Unterstützung weiblicher Familienangehöriger um seine Kinder kümmert.

00:22:43: Im Verständnis der damaligen Zeit also in den sechziger und in den frühen siebziger Jahren gehörten Kinder zu einer Mutter oder zumindest zu einer Frau.

00:22:52: alleine zähne Väter war eine absolute Seltenheit und man betrachtete sie mit misstrauischer Aufmerksamkeit, weil man unsicher war ob ein allein stehender Mann die Mutterrolle angemessen ausfüllen oder ersetzen konnte.

00:23:09: Ja!

00:23:09: Und eines Tages kommen diese Mitarbeiter des Jugendamtes vorbei und Albert erinnert sich dass sie seinem Vater vorschlugen seine beiden Kinder abzugeben.

00:23:21: Er war klallhart.

00:23:23: Er hat einmal erzählt, dass das Jugendamt vor der Tür stand und uns quasi mitnehmen wollte oder so.

00:23:32: Ja die hat er vom Platz gejagt.

00:23:34: Der war unser Beschützer, der ist schon da

00:23:36: gestanden.".

00:23:38: Die Mitarbeiter des Jugendamtes kommen nach diesem Besuch nie wieder – jedenfalls erinnert sich Albert nicht daran sie jemals wiedergesehen zu haben!

00:23:46: Josef hat ihnen auf unmissverständliche Weise klargemacht, dass seine Söhne in seiner Obhut bestens aufgehoben sind und es ja jede Verantwortung für sie übernimmt.

00:23:56: Ganz gleich was die Behörden darüber denken!

00:23:59: Ja das ist Josef der wunderbare Vater, der Beschützer und der Held seiner Söhnen.

00:24:06: Nur eines ist seltsam Wie alle Kinder fragen auch Albert und Fritz ihren Vater immer wieder nach früher, Nach seiner Kindheit, seiner Jugend Und nach der Zeit vor dem Tod ihrer Mutter.

00:24:18: Sie fragen neugierig und natürlich ohne Hintergedanken.

00:24:21: Kinder wollen einfach wissen woher ihre Eltern kommen Aber ihr Vater, der so gerne Gedichte recitiert und der immer eine Meinung hat oder einen passenden Spruch in die Runde werfen kann Der verstummt bei diesen Fragen.

00:24:36: Manchmal sagt er gar nichts, manchmal wechselt er schnell das Thema.

00:24:40: Die Jungen wissen nur dass ihr Vater als er jung war Matrose bei der berühmten Donaudampfschiffer als Gesellschaft war einem Unternehmen das Dampfschiffe auf der Donaubetrieb.

00:24:53: Das waren Lastkehne aber auch Passagierschiffe die zwischen Passau und dem Schwarzen Meer hin und her fuhren Maschinenräume sauber halten, Wäsche waschen, Essen vorbereiten, Decks schrubben.

00:25:06: All das gehörte damals zu Josef's Alltag.

00:25:09: und irgendwie, dass reimen sich die Brüder aus ein paar Bemerkungen ihres Vaters zusammen, verschlug es Joseph dann für ein paar Jahre nach Deutschland.

00:25:18: Ob das mit seiner Tätigkeit als Matrose zu tun hatte?

00:25:22: Das wissen sie beiden nicht!

00:25:24: Aber nachdem Josef Deutschland wieder verlassen hatte und zurück in Österreich war, lernte er wohl ihre Mutter kennen.

00:25:31: Er heiratete sie – und dann kamen in den letzten Jahren die Geschichte von Albert zur Welt.

00:25:36: Ab da kennen Sie die Geschichte Ihres Vaters natürlich!

00:25:39: Aber was da genau in Deutschland war?

00:25:42: Und wann Ihr Vater dort war, das erzählt er nie….

00:25:46: Und so ahnen die beiden Jungen nichts von diesem Schatten, den Josef damit sich trägt und der irgendwann auch für sie Folgen haben wird.

00:25:55: Die Jahre gehen ins Land, die beiden Brüder Fritz und Albert verbringen eine paradiesische Kindheit.

00:26:00: Sie spielen auf den Wiesen direkt hinter dem Haus ihres Vaters Und Josef schaut ihn oft von der Türschwelle aus zu und er lächelt dann während er seine Arbeit im Haus oder im Garten erledigt.

00:26:12: Trotzdem ist da etwas.

00:26:14: Manchmal spürt Albert das, er kann es nicht benennen aber er ist ein sehr feinsinniger jugendlicher oder junger Mann der dann manchmal irgendeine Schwingung auffängt.

00:26:27: Ich konnte nicht erklären warum uns halt ja nichts gefehlt und trotzdem war da irgendetwas dass ich gut war für mich.

00:26:37: Albert und Fritz werden erwachsen.

00:26:39: die beiden machen jetzt mit ihren Moped's die Gegend unsicher Und im Jahr neunzehntenhundertsiebzig beendet Albert die Schule.

00:26:46: Er macht eine Lehre zum Tischler und er beginnt zu arbeiten!

00:26:50: Dann verliebt er sich in einer junge Frau, die an einer Diskothek kennen lernt?

00:26:54: Es ist Liebe auf den ersten Blick... ...und es gibt für die beiden gar keinen Zweifel dass sie zusammengehören.

00:26:59: Die Hochzeit findet statt und Albert sagt heute voller Stolz und voller Glück Ich habe einfach die absolut beste Ehefrau, die man sich wünschen

00:27:08: kann.

00:27:08: Oh wie toll!

00:27:09: Kurz nach der Hochzeit wird Albert auch Vater Und irgendwann bietet Josef ihm an mit seiner Familie in sein Haus, also in Alberts Elternhaus zu ziehen.

00:27:17: Joseph selbst ist inzwischen widerliiert und er zieht zu seiner Lebensgefährtin die ganz in der Nähe wohnt.

00:27:23: Das Verhältnis von Josef zu seinen beiden Söhnen das bleibt immer innig und sehr eng.

00:27:29: und auch als Fritz nach der Trennung von seiner Frau mit seinen vier Kindern ganz alleine dasteht springt Josef ein und er unterstützt seinen jüngeren Sohn wo er nur kann.

00:27:39: Und irgendwie wiederholt sich dann eigentlich die Geschichte.

00:27:41: Wieder ein Vater, der seine Kinder alleine großzieht.

00:27:45: Fritz hat ja das beste Vorbild, dass man sich wünschen kann.

00:27:48: Der eigene Vater hat es auch ganz toll gemeistert.

00:27:53: Nachdem Josefs Lebensgefährtin verstorben ist holt Albert seinen Vater zu sich nach Hause in das Haus, das Josef vor vielen Jahren für seine Familie gebaut hatte.

00:28:03: Und Albert baut jetzt alles um.

00:28:05: Er reißt Wände ein und verlegt Kabel neu, putzt und streicht.

00:28:09: Das meiste macht er allein.

00:28:11: Er sagt heute dass er seinem Vater etwas zurückgeben wollte das ganz wichtig für ihn war diesen Umbau nicht in fremde Hände zu geben sondern alles selbst zu erledigen.

00:28:21: So hat Josef wenige Wochen später ein eigenes kleines Apartment in seinem alten Haus und er genießt es zusammen mit seinem Sohn seiner Schwiegertochter und seinen Enkelkindern.

00:28:33: Mit neunzeig Jahren ist Josef noch gesund und fit, und erschlägt sein Sohn Albert jeden Abend mühelos im Schach.

00:28:41: Aber zwei-tausendsechs ist ein Schicksalsjahr für die Familie!

00:28:44: Es ist das Jahr in dem sich alles verändert – und es ist das Ja in dem die Wahrheit ans Licht kommt.

00:28:50: Und plötzlich steht die Frage im Raum wer Josef wirklich ist und war und was seine Söhne all die Jahre nicht wissen durften?

00:28:58: Alberts Ehefrau arbeitet in einem kleinen Laden und Josef kommt oft und gerne zu Besuch.

00:29:04: Josef hängt sehr an seiner Schwiegertochter, und er verbringt gerne Zeit in ihrer Nähe.

00:29:09: Zwischen den Regalen und den Auslagen des Kleingeschäfts steht ein Sessel – extra für Josef!

00:29:16: Und der unterbricht seine Spaziergänge fast täglich hier in der kleinen Seitenstraße.

00:29:21: dann kommt er hereingeschlendert nimmt in seinem Sesselplatz und genießt das Treiben im Geschäft.

00:29:27: Josef plaudert damit den Kunden, er hört sich ihre Geschichten an.

00:29:31: Er lacht über kleine Anekdoten und beobachtet was sie so ansehen oder kaufen.

00:29:37: Josef fühlt es sich hier sichtlich

00:29:39: wohl –

00:29:39: er trinkt dann einen Kaffee und setzt dann irgendwann seinen Spaziergang fort!

00:29:45: Es ist ein Tag im Sommer aus dem Jahr Jürgen.

00:29:48: Josefs ist wie so oft zu Besuch.

00:29:50: Er und seine Schwiegertochter sind gerade allein im Laden und sie plaudern wie immer.

00:29:55: Doch dieses Mal ist etwas anders.

00:30:17: und

00:30:29: die Zeit für die Wahrheit.

00:30:33: Und in dem einen besagten Moment sagte er zu meiner Frau, ich habe einige Geheimnisse.

00:30:41: Sie sagte ja, was ist denn?

00:30:43: Dann sagte er eben, dass er zwei Töchter in Deutschland hat.

00:30:47: Meine Frau war wie vor den Kopf gestoßen – das war ja für uns komplett fremd!

00:30:53: Und dann hat er nur kurz erzählt und da kam eine Kondel rein und vorbei war's.

00:31:02: Josef hat also zwei Töchter in Deutschland.

00:31:05: Er erzählt, dass er in Deutschland in erster Ehe verheiratet war mit einer jungen Frau, deren Eltern einen großen Hof besaßen – ein Weingut!

00:31:15: Und das die Eltern seiner Frau ihn immer abgelehnt hätten.

00:31:19: Sie warfen Josef vor nicht standesgemäß zu sein, nicht reich genug und nicht passend für ihre Tochter.

00:31:26: Josef und seine erste Frau, die Winzertochter hatten zwei Tökter.

00:31:31: Sie hießen Gisela und Karin.

00:31:33: Aber nach einigen Jahren hätten seine Schwiegereltern Josef vom Hof vertrieben, er musste seine Ehefrau und seine beiden Töchter zurücklassen.

00:31:42: Er hätte versucht mit den Mädchen also mit Giseler und Karine in Kontakt zu bleiben, er hatte sie besuchen wollen aber die Schwieereltern hätten ihn nicht mehr auf den Hof zurück gelassen.

00:31:54: Kurz nach der Scheidung heiratete Josefs Ex-Frau einen anderen Mann Und Josef gab seine Versuche, seine Kinder zu besuchen auf.

00:32:04: Denn er wusste die beiden hatten nun einen neuen Papa und der wollte nicht stören und nichts durcheinander bringen.

00:32:11: Aber er schrieb noch Briefe und Grußkarten an die Mädchen und oft sendete auch Geld mit aber er hatte nie eine Antwort erhalten.

00:32:19: Josefs Schwiegertochter steht in dem kleinen Laden.

00:32:21: sie hört das alles und sie ist wie ein Staat Eine Kundin, die in diesem Moment plötzlich hereinkommt.

00:32:28: Die unterbricht das Gespräch und als Albert's Ehefrau des Themas später noch einmal aufgreifen will, später nachdem die Kunden den Laden verlassen hat und die beiden wieder allein sind – da schweigt Josef nur!

00:32:42: Das also ist Josefs Lebensgeheimnis.

00:32:45: Er dieser leidenschaftliche und wunderbare Vater der Mann, der sein Leben mit großer Freude und Hingabe in den Dienst seiner Söhne gestellt hat und deren ihren Augen der größte Held ist, den man sich vorstellen kann.

00:32:58: Der hat also noch zwei weitere Kinder, zwei Töchter – und er durfte keinen Kontakt zu ihnen

00:33:03: haben.".

00:33:05: Das erklärt jetzt ganz viel!

00:33:06: Dass er die Mitarbeiter des Jugendamtes so unfreundlich verjagt hatte als sie kamen um nach dem Rechten zu sehen.

00:33:13: Er, der Freundliche, der sanfte und humorvolle Josef muss in diesem Moment große Angst gehabt haben dass die Geschichte sich wiederholt und dass er jetzt auch seine beiden Söhne verlieren könnte.

00:33:25: Also, wie schrecklich ist das?

00:33:27: Und so, wie man ihn ja jetzt kennengelernt hat – wie sehr muss er diese beiden Mädchen die ganze Zeit vermisst

00:33:33: haben?!

00:33:34: All die Jahre war er ohne Nachricht von ihnen!

00:33:39: selbst auch die Zeit ohne Handys, also wo Verbinden oder in Verbindung bleiben.

00:33:44: Auch noch viel, viel schwieriger war.

00:33:47: Er schrieb also dementsprechend Griefe aber er hat nie Antwort bekommen – auch später nicht als sie schon erwachsen waren.

00:33:53: Josef schrieb immer, er hatte nie damit aufgehört, aber er bekommt keine

00:33:58: Antwort.".

00:33:59: Als Albert und Fritz erfahren das Sie zwei Schwestern haben, bedrängen sie ihren Vater!

00:34:07: was Josef in den vielen Jahren vor ihnen geheimgehalten hat.

00:34:12: Aber Josef schweigt, er sagt nichts mehr zu dem Thema und alle stellen sich die Frage, weshalb hat Josef nie erwähnt das er noch zwei ältere Töchter hat?

00:34:22: Ja

00:34:23: ich glaube da spielt Meeres mit rein sehr großer Schmerz und ich vermute dass er so auf seine Weise die Mädchen schützen wollte.

00:34:30: also er wusste Das hat er seiner Schwiegertochter erzählt, dass seine Ex-Frau nach der Scheidung sehr schnell wieder geheiratet hatte und das die Mädchen dann mit einem neuen Papa aufgewachsen sind.

00:34:43: Und ich glaube, er wollte da aus seiner Sicht so nichts durcheinanderbringen vielleicht oder sie so belästigen mit der Wahrheit, dass sie dann vielleicht zu sehr erschüttert wären?

00:34:55: Und man muss dazu auch noch sagen, die Briefe, die Josef an seine Töchter geschrieben Die waren ganz neutral gehalten, das hat ja seiner Schwiegertochter so auch erzählt.

00:35:04: Das waren Grußkarten und kurze Mitteilungen ohne persönliche Details oder Hinweise auf den familiären Zusammenhang.

00:35:12: Wahrscheinlich hat Josef gehofft dass die Mädchen sich irgendwann nach ihm erkundigen würden?

00:35:16: Und dass sie Nachfragen würden und dass sie sich gemeldet hätten wenn ihnen jemand die Wahrheit gesagt hätte?

00:35:21: Und Josef weiß ja zu keinem Zeitpunkt ob Sie jemals diese Karten um Brief überhaupt in Händen gehalten haben.

00:35:30: Josef spricht jetzt nicht mehr über dieses Thema, weder mit seinen Söhnen noch mit seiner Schwiegertochter.

00:35:35: Alle bedrängen ihn mit Fragen aber Josef schweigt!

00:35:48: und der er aber ich bin überzeugt davon sehnsüchtig gewartet hat, dass sie ans Licht kommt.

00:36:08: Und mit einundneunzig Jahren offenbart sich dieser Vater ein Geheimnis.

00:36:12: vor allem einen Familiengeheimnis zu bewahren das wissen wir.

00:36:16: das kostet große psychische Energie vor allem wenn man so eng und so vertraut mit seinen Söhnen ist wie Josef ja mit seinen Kindern.

00:36:25: Verdrängung mag über manche Zeiten gut funktionieren, aber ich glaube sie ermüdet auch sehr.

00:36:31: Und im hohen Alter bricht dann dieses fragile Gleichgewicht oft zusammen.

00:36:37: die Kraft also weiter zu kontrollieren und zu verschweigen reicht nicht mehr aus und das will man glaub ich an irgendeinem Punkt nicht mehr.

00:36:44: Das haben wir in unserer Arbeit schon ganz oft miterlebt.

00:36:47: viele Menschen wollen sich dann am Ende des Lebens öffnen und mitteilen

00:36:54: Ja und schweigen ist manchmal Vielleicht auch schwerer und belastender als die Wahrheit zu sagen.

00:36:58: Und vielleicht hatte Josef auch das Gefühl, dass seine Söhne und seine Töchter ein Recht darauf hätten – also auf diese Wahrheit!

00:37:05: Und trotzdem gibt er keine weiteren, keine konkreten Informationen mehr

00:37:09: preis.".

00:37:10: Einige Wochen nach diesem Gespräch im Laden klingelt plötzlich Albert's Telefon.

00:37:15: Es ist das örtliche Krankenhaus.

00:37:17: Albert soll es schnell kommen.

00:37:19: Albert lässt alles stehen und liegen und rastlos.

00:37:22: Er kommt noch rechtzeitig, um sich von seinem Vater verabschieden zu können.

00:37:27: Auf dem Sterbebett sagt Josef noch zu seinen Söhnen ihr wart arme Buben.

00:37:33: er meint damit dass sie ohne Mutter aufwachsen mussten.

00:37:36: nein antwortet Albert seinem Vater.

00:37:39: wir waren so unglaublich reich.

00:37:41: Albert und Fritzvater stirbt im Winter.

00:37:44: zwei tausend sechs.

00:37:45: er wurde einundnezig Jahre alt.

00:37:48: seine beiden Töchter in Deutschland Gisela und Karin Die hatte er nie wiedersehen können.

00:37:53: Für die hat der nie ein Vater sein dürfen, so sehr sich das wahrscheinlich ein Leben lang gewünscht

00:37:59: hätte.".

00:38:01: Wohnt, Entfäuschung, Trauer und etwas versäumt zu haben.

00:38:26: Wie willst du das beschreiben?

00:38:30: Ach Seh, jetzt muss ich einmal einen kurzen Schlückchen hier trinken und durchatmen.

00:38:35: Ja ich auch!

00:38:37: Nach dem Tod ihres Vaters beschließen Albert und sein Bruder sich auf die Suche nach ihren Schwestern zu machen.

00:38:43: Sie sind Familienmenschen und sie sehen sich nach Gisela und Kari nach ihren beiden Schwesten.

00:38:49: aber da ist noch mehr... Sie wollen Ihre Schwestern auch für Ihren Vater finden, für Josef und an seiner Stelle für die beiden Dasein besonders dann wenn sie ihm Not geraten oder Hilfe brauchen sollten.

00:39:01: Und Sie wollen Ihren Schwesten unbedingt von ihrem Vater erzählen?

00:39:06: Dass sie dem besten Vater der Welt hatten den man sich vorstellen konnte und dass Josef seine beiden Töchter nie vergessen hatte!

00:39:14: Die beiden Brüder beginnen mit der Suche.

00:39:16: Ihr Vater hatte erwähnt, dass er mit der Mutter seiner Töchter in der Nähe von Worms gelebt hat.

00:39:21: Das würde passen denn Wormss liegt am Rande von Deutschlands größtem Weinanbaugebiet, nämlich Rhein-Hessen!

00:39:28: Die Mutter von Josefs Töchtern sollte ja aus einer großen Winzerfamilie stammen – zumindest eine Familie die so reich und angesehen war das Josef, der von einem einfachen Bauernhof über Österreich stammte dort als umpassend und zu arm galt.

00:39:44: Die beiden Brüder machten sich keine Illusionen, mit diesen Wagenhinweisen lässt sich kaum etwas anfangen und doch nimmt Albert sein Telefon zur Hand.

00:39:53: Er beginnt ja alle Weingüter in der Umgebung von Worms abzutelefonieren – jedes Weingut dessen Nummer er ausfindig machen kann!

00:40:02: Die Namen der beiden Schwestern Gisela und Karin sagen niemandem etwas.

00:40:06: auch der Name von Josef stößt nirgends auf ein Echo.

00:40:10: Immer wieder versuchen die Brüder Informationen über ihre Schwestern zu finden.

00:40:14: Sie wissen, dass sie Zeit gegen sie arbeitet und das ihre Schwestern inzwischen schon über siebzig Jahre alt sein müssten.

00:40:22: Und trotzdem zögern die beiden Brüdern immer wieder!

00:40:25: Sie fürchten, in das Leben ihrer Schwesten einzubrechen es zu stören oder vielleicht unerwünscht zu sein?

00:40:31: Was wenn die Frauen nichts von ihrer Herkunft wissen?

00:40:33: was wenn eine Wahrheit, die so lange verborgen war nun alles aus dem Gleichgewicht bringen würde?

00:40:39: Immer wieder legen Albert und Fritz ihre Suche auf Eis, nur um sie Monate und manchmal auch Jahre später erneut wiederaufzunehmen.

00:41:10: für die Leute, die ihre Leben finden.

00:41:13: Und ich glaube das sind auch ein Stück weit meine

00:41:17: Tränen.".

00:41:19: Albert zögert lange aber dann schreibt er dich schließlich an und erbittet dich um Hilfe.

00:41:24: Er schreibt, beschreibt Albert Andig, ist da noch dieses seltsame Gefühl von nicht komplett sein in mir.

00:41:46: Dass bei jeder ihrer Sendungen in mir hochsteigt?

00:41:49: und du hast sofort beschlossen den beiden zu helfen und hast Kontakt mit ihnen aufgenommen?

00:41:54: Genau!

00:41:55: Ja um es mal zu erklären wir setzen uns ja dann erstmal im Team zusammen.

00:41:59: also das bin ja nicht ich alleine und natürlich besprechen wir den Fall dann erst einmal gucken was haben wir eigentlich in der Hand?

00:42:07: Bevor ich dann vor Ort mit einer Suche beginnen kann, müssen wir in der Redaktion zunächst ja ganz fast langweilige und mühevolle Vorarbeit leisten.

00:42:18: Denn ohne einen konkreten Ansatzpunkt kann weder ich noch einer der Kollegen oder Kolleginnen losfahren.

00:42:25: Ich brauche das Ende eines Fadens und wenn er auch ganz dünn ist oder ganz alt irgendein Ansatz Punkt, irgend ein Hinweis um starten zu können.

00:42:35: Unsere Kollegin Saskia, die hat mich bei dieser Suche unterstützt und die hat dann erstmal alles gesammelt was sich da im Vorfeld so hat zusammentragen lassen.

00:42:45: Genau weil zu diesem Zeitpunkt hattest du eigentlich wenn man ehrlich ist überhaupt nichts in der Hand.

00:42:50: es sah auch überhaupt nicht gut aus.

00:42:53: Es kam noch hinzu wir waren ja noch nicht mal sicher dass das was Josef so viele Jahre vorher erzählt hatte Das ist das überhaupt der Wahrheit entsprach.

00:43:01: Und der Albert sein Sohn der hat das so ausgedrückt er hat gesagt Wir wussten nicht, ob das was mein Vater erzählt hatte.

00:43:07: Stimmte!

00:43:09: Wir haben es vermutet aber gewusst haben wir's nicht.

00:43:12: Ja also kannst ruhig sagen ist war sehr vage diese Geschichte.

00:43:17: Denn es hatte ja niemand vorher jemals gehört dass Josef eine Beziehung oder sogar ne Ehe in Deutschland gehabt

00:43:24: hätte.

00:43:24: Genau das er schon

00:43:25: ungewöhnlich und von zwei Töchtern war ja überhaupt noch nie Rede gewesen.

00:43:30: so jetzt erzähl mal wie es mit deiner Suche weiter ging.

00:43:34: Also erstmal das Grundsätzliche, dass es hier dann auch passiert.

00:43:36: Die Redaktion die fragen dann bei verschiedenen Ämtern nach.

00:43:40: wir haben Archive kontaktiert, Register werden durchforstet, Karteien alte Unterlagen.

00:43:46: in dem Fall ist dann lange sehr lange alles ergebnislos geblieben.

00:43:51: aber die Saskia ist dann plötzlich auf etwas gestoßen das alles verändert hat.

00:43:56: In einem Fahramt in Österreich also dort wo Josef getauft worden war gab es einen Vermerk in einer alten Akte.

00:44:05: Und dieser Vermerk, also so ein Eintrag der stellt dann auf einmal alles infrage was die Familie bis dato zu wissen glaubt.

00:44:14: Genau und wir haben den eintrag aus diesem Pfarrbuch hier vor uns liegen beziehungsweise eine Kopie davon.

00:44:21: Ja

00:44:21: genau jetzt brauche ich gar nicht so tun als wäre ich Expertin in Sütterlin.

00:44:26: Es ist nämlich Kannst du es mittlerweile lesen über die ganz lange Zeit manche Sachen?

00:44:32: Manche

00:44:33: Buchstaben erkenne ich.

00:44:34: Es ist ja mehr so ein Gefühl, dass das dann für die Weise hat.

00:44:37: Wir haben's aber ja schon für uns sozusagen in kann man sagen Neudeutsch in normale Buchstabungen geschrieben.

00:44:42: also In diesem Eintrag ist Josefs E-Schließung mit der Mutter von Albert und Fritz vermerkt und verschiedene andere Dinge.

00:44:50: So hier Ganz oben am Rand Hier ist es denn.

00:44:54: hier steht kaum leselich geschrieben Das Josef, Entschuldigung Migo.

00:45:00: Dass Josef mit einer Margarete verheiratet war in erster Ehe.

00:45:05: so haben wir das entziffert und dahinter steht ihr Mädchenname und Deutschland und das Wort geschieden.

00:45:12: mehr ist nicht zu erkennen

00:45:13: mehr es nicht zu erkennen aber dass mal der Anfang deines Fadens macht den du immer brauchst um loszulegen Wir wussten jetzt die Geschichte von Joseph war.

00:45:23: Es gab eine Frau in Deutschland mit der er gelebt hatte mit der er sogar verheiratet war.

00:45:27: Das sehen wir ja hier in den Unterlagen und von seinen Töchtern steht jetzt nichts, aber wie ging davon aus dass im Grunde auch das stimmte also dass diese Töchter existierten?

00:45:39: Genau!

00:45:39: Ja ich habe mich also mit diesem Faden wie wir es jetzt immer genannt haben Richtung Worms aufgemacht.

00:45:45: dieses Stadt hatte Josef ja auch selbst erwähnt.

00:45:49: Ich hatte jetzt den Vorn dem Mädchennamen der ersten E-Frau aus dem Dokument vom Fahramt Und ich wusste, sie war aus einer Winzerfamilie.

00:45:58: Wir sind davon ausgegangen dass die beiden Töchter von Josef jetzt schon so um die achtzig Jahre alt sein müssten.

00:46:04: also wir haben uns auch darauf einstellen müssen das die Schwestern vielleicht gar nicht mehr lebten

00:46:11: ja aber auch wenn die Chance noch so klein ist wir machen uns auf die Suche.

00:46:16: trotzdem du hattest nichts Konkretes in der

00:46:18: Hand

00:46:18: und die Familie zu finden schien fast unmöglich.

00:46:25: Ich fuhr los Richtung Worms und ich suchte nach Weingütern, die den Mädchennamen von Josefs erster Frau Margarethe tun.

00:46:33: Aber ich fand nichts!

00:46:34: Rhein-Hessen ist das größte Weinanbaugebiet in Deutschland – und es gibt hier mehr als zweitausend solcher Betriebe.

00:46:42: Ich musste meine Suche also

00:46:44: eingrenzen.".

00:46:45: Da Josef von Worms gesprochen hatte, beschloss ich mich auf die Gegend nahe dieser Stadt zu konzentrieren und die anderen Regionen von Rhein-Hessen vorerst einmal links liegen zu lassen.

00:46:57: In den folgenden Tagen fuhr ich viele Weingüter ab – Ich bog in unzählige Straßen mit alten verwitterten Schildern, von denen manche noch aus der Zeit zustammen schienen als Josef noch jung war.

00:47:08: Enge Gassen führten vorbei an Fachwerkhäusern und Weinbergen.

00:47:12: Ich traf auf reizende Winzer und durfte den einen oder anderen Riesling- oder Grauburgunder probieren.

00:47:18: Aber von Joseß Töchtern, oder seiner ersten Frau hatte hier in der Gegend noch nie jemand etwas gehört!

00:47:33: Doch dann, es waren schon einige Tage vergangen, sprach ich in einem kleinen Dorf eine ältere Dame an.

00:47:39: Und die konnte sich tatsächlich am zwei Schwestern erinnern, die sie in ihrer Kindheit und Jugend gekannt hatte – und die Gisela und Karin hießen.

00:47:49: Ihre Familie hatte ein Weingroh ganz in der Nähe besessen.

00:47:53: Aber die Familie hatte das gut vor langer Zeit aufgegeben…und die Mädchen waren mit ihren Eltern weggezogen!

00:48:00: An den Nachnamen der beiden erinnerte sich die Frau nicht mehr.

00:48:04: Aber sie beschrieb mir, wie man zu dem Weingut kam.

00:48:07: Ich machte mich sofort auf den Weg.

00:48:10: Dort angekommen fragte ich nach Margaretes Familie und tatsächlich ... In den Sechzigerjahren hatten die Vorbesitzer den Hof verkauft und sie waren weggezogen.

00:48:21: Wir sahen zusammen.

00:48:22: in den alten Unterlagen nach unterstand es Dieser Weinbaubetrieb hatte tatsächlich Margareetes Familie gehört.

00:48:30: Ihr Mädchenname tauchte in den alten Dokumenten auf.

00:48:33: Ich fragte nach dem Brief, die Josef geschrieben hatte und ob der heutige Besitzer ein ganz junger Weinbauer etwas davon wüsste Aber der junge Mann konnte mir darüber keine Auskunft geben.

00:48:45: Er hatte den Hof erst vor einigen Jahren von seinen Eltern übernommen Und die waren

00:48:50: nicht mehr am Leben.

00:48:52: Ob sie die Briefer Margaretes Familie weitergeleitet hatten oder ob sie verloren gegangen waren, das ließ sich jetzt nicht mehr feststellen.

00:49:01: Aber wir fanden etwas Entscheidendes in den alten Büchern – eine Verzugsadresse von Margarete und ihrem neuen Mann.

00:49:08: Das musste die neue Adresse sein unter der auch Josefstöchter Gisela und Karin gelebt haben mussten.

00:49:14: Nun ging alles ganz schnell.

00:49:16: Mit der Anschrift und dem neuen Namen der Mutter konnte ich nach den Schwestern von Albert und Fritz suchen.

00:49:23: Ich fand eine der beiden Schwesten in Mainz.

00:49:26: Gisela war eine rüstige und sehr humorvolle alte Dame, die sehr berührt war als sie erfuhr, dass ihr Vater sie nie vergessen hatte – und das sie Brüder hatte, die nach ihr suchten!

00:49:39: Und sie hatte eine wunderbare Neuigkeit für mich….

00:49:41: Ihre Schwester Karin erfreute sich auch bester Gesundheit und sie lebte nicht weit von ihr entfernt in einem kleinen Ort, in der Nähe von Mainz.

00:49:51: Ich hatte Josef's Töchter gefunden – die Schwestern von Albert &

00:49:56: Fritz!

00:50:03: Ja du hast beide gefunden.

00:50:04: und seien wir ganz realistisch?

00:50:05: Du bist mit nichts

00:50:06: losgefahren?!

00:50:08: Und dann hattest du sie beiden gegen alle Erwartungen.

00:50:11: Genau, aber natürlich mit tatkräftiger Unterstützung meiner Redaktion sei immer wieder betont.

00:50:17: Und beide waren noch am Leben.

00:50:19: Beide waren gerührt und sehr ergriffen auch, denn über ihren Vater – also sie wussten es aber über den

00:50:28: wurde nie

00:50:28: viel gesprochen.

00:50:29: deshalb waren Sie davon ausgegangen dass er sich nie für sie interessiert hatte.

00:50:34: das ist ja ganz oft so wenn es so verschwiegen wird, dass beide Seiten denken der andere möchte nicht Als sie gehört haben, dass er ihnen all die Jahre geschrieben hatte.

00:50:45: Da haben Sie sich dann in der Familie umgehört und eine Cousine hat es dann auch bestätigt.

00:50:50: Das seien immer wieder Briefe von Josef gekommen, um Karten zum Teil sogar mit hohen Geld beträgen.

00:50:57: Also hatte der neue Besitzer des Weingutes die Briefer weitergeleitet?

00:51:02: Aber Gisela und Karin haben diese Briefen nie gesehen bis du sie darauf aufmerksam gemacht hast das sie existieren und sie sich erkundigt haben.

00:51:09: bei dieser Cousina Ja, übrigens kam der letzte Brief von Josef.

00:51:15: Er hat also kurz vor seinem Tod, als er im Jahr war, gestorben.

00:51:18: Sein Töchter noch mal geschrieben.

00:51:20: So hat das die Kusine erzählt.

00:51:22: Und wohlwollend gedeutet wollte vielleicht die Familie die Mädchen für Schmerzverwirrung oder Konflikten bewahren?

00:51:32: Der Vater, der war weg, das hatten offensichtlich die Großeltern vom Gisela und Karin zu verantworten Und es wurde nicht mehr über ihn, also über Josef gesprochen und die Briefe, so haben sie sich das wahrscheinlich gedacht, Fragen aufgeworfen.

00:51:46: Eine absolut falsche Entscheidung, die da getroffen wurde.

00:51:50: Zumal als Josefs Brief-Sechs ankam waren Giselle und Karin erwachsene Frauen, spätestens da hätten sie einen Recht

00:51:58: gehabt –

00:51:59: die Wahrheit zu erfahren!

00:52:00: Das heißt, das haben dann andere in der Familie... beschlossen anscheinend.

00:52:05: Das ist ja auch echt seltsam, weil die Eltern lebten ja nicht mehr.

00:52:11: Ja aber es bleibt so, je länger man schweigt desto schwieriger wird's dann oft des Schweigen zu brechen.

00:52:17: Die Lücke, die da zwischen Wahrheit und Realität entsteht, die wird immer größer, sie wird zum Graben und die Angst vor den Konsequenzen wächst dann bei vielen.

00:52:28: vielleicht konnte da irgendjemand nicht mehr zurück aus dem Verschweigen.

00:52:33: Wir wissen es

00:52:33: nicht.".

00:52:33: Ja,

00:52:35: auf jeden Fall waren die beiden Schwestern berührt und fastungslos als sie gehört haben wie sehr ihr Vater sie vermisst haben musste.

00:52:42: Sie konnten sich beide noch an Josef erinnern und sie haben sich ihr ganzes Leben lang nach ihm gesehen.

00:53:00: Zu meiner Mutter.

00:53:01: Er sagt, herrschlinisch wie ich für uns vom Papa.

00:53:05: Nichts, die auf alles war weg, bis sie geschieden wurde.

00:53:08: Da hat er alles verschwindelt.

00:53:10: Alles weg!

00:53:11: Ich freue mich meine Brüder kennen zu

00:53:13: lernen

00:53:14: und bin gespannt was die Zukunft bringt.

00:53:16: Ich bin jetzt so alt.

00:53:19: Ich hätte gern früher kennengelernt.

00:53:23: Machest du schön?

00:53:25: Ja.

00:53:25: Und Gisela hat auch gesagt wenn sie gewusst hätte... wo ihr Vater war, dann wäre sie als Kind gerne zu ihm gezogen.

00:53:31: Dann hat er ihn sehr geliebt und er hat ihn sehr vermisst und er den nie vergessen.

00:53:36: Also Sie konnte sich auch noch sehr gut erinnern?

00:53:38: Sehr gut!

00:53:38: Ja ja, sie konnte sich sehr gut herinnern.

00:53:40: Und dann kommt immer der schöne Teil, dann habe ich Albert und Fritz natürlich über das Ergebnis der Suche informiert und ihnen alles erzählt und Albert konnte es überhaupt nicht fassen.

00:53:51: Für ihn schloss sich an dieser Stelle ein ganz schmerzvoller Kreis und für ihn war es das Ende eines Kapitels in seinem Leben.

00:53:58: Und der Beginn eines neuen, eines gemeinsamen Kapitls.

00:54:03: Es ist das Ende einer sehr langen Suche und der Anfang seines neuen Lebens mit seinen Schwester.

00:54:11: Als ich das von meinen Schwestern gehört habe und dass das keine Fiktion war sondern Realität und dass sie gefunden wurden kann in mir eine unglaubliche Freude auf.

00:54:26: Das war so eine unglaublichen Freude, die man gar nicht beschreiben kann!

00:54:32: Der Rucksack meines Vaters, der hing plötzlich auf meinen Schultern und ich hatte jetzt auch mit eurer Hilfe die Gnade, sag' ich mal diesen Rucksacks abstellen zu dürfen – das hätte ihm alles bedeutet.

00:54:47: Ich glaube bloß endlich dass das sein Lebenswunsch gewesen ist.

00:54:55: Ja, diese Geschichte, das sei noch dazu gesagt, die ist ja ganz frisch, ganz jung!

00:55:01: Albert und Fritz wissen erst seit ganz kurzem dass wir die Schwestern gefunden haben und in zwei Wochen werden die beiden Brüder Richtung Worms fahren um Gisela und Karin endlich in die Arme zu schließen und damit es unsere Arbeit im besten Sinne an der Stelle beendet.

00:55:22: Aber wir hätten gerne ein Foto, lieber Albert.

00:55:25: Vielleicht schickst du uns ein Bild von euch vieren?

00:55:28: Das wäre ganz toll!

00:55:30: Liebe Sylvie, vielen Dank fürs miterzählen.

00:55:33: Ich danke dir und wenn ihr uns schreiben möchtet unsere Adresse lautet infoetspurlos-podcast.de

00:55:40: Und wenn ihr folgen möchtest... Ach so nee, du musst noch sagen genau alle Infos in den Show notes.

00:55:46: Und dort haben wir auch TikTok verlinkt.

00:55:48: Genau

00:55:48: ich würde mich freuen wenn ihr Danken euch fürs Zuhören.

00:55:53: Bis ganz bald und passt aufeinander auf!

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